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Orientalische Vergnügungen

Von Hermann Schlösser

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Die Musikprogramme des türkischen Senders "TRTint" habe ich sehr gern. Sie sind mit nichts zu vergleichen, was man aus dem hiesigen Musikangebot kennt: Eine Sängerin oder ein Sänger tremolieren "orientalische" Melodien, größere Instrumentalensembles oder gar ganze Orchester begleiten sie. Manchmal tritt auch ein Chor hinzu.

Aber welche Lieder singen sie? Schlager? Wahrscheinlich. Allerdings fehlt der Darbietung alles Popige oder Fetzige. Oder anders gesagt: Man merkt der Musik an, dass sie keinerlei amerikanischem Einfluss unterliegt. Sie bewegt sich nach Rhythmen, die mit Jazz, Pop, Rock, Hip Hop usw. nichts gemein hat. Auch optisch entsprechen die Sängerinnen und Sänger nicht den Vorstellungen, die man hierzulande seit den sechziger Jahren von Popmusikern hat. Sie sind meist nicht mehr ganz jung, und man merkt ihren zuweilen recht üppigen Körperumfängen an, dass Fettfreiheit nicht in allen Ländern der Welt das höchste Ideal ist.

Deshalb könnte man das Ganze auch für eine Art türkischen "Musikantenstadl" halten. Das stimmt aber auch nicht ganz. Denn im Unterschied zu hiesigen "volkstümlichen" Sendungen fehlt diesen Programmen jede Schunkelstimmung. Das Publikum sitzt brav in Reih und Glied und applaudiert respektvoll, wenn eine Gesangsnummer am Ende angekommen ist. Und da die Konzerte meist ohne jede Conférence aufgeführt werden, gibt es auch keinen türkischen Karl Moik. Es ist eben alles anders in der Türkei.