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Ort der Identifikation und Tradition

Von Ida Labudovic

Politik

Serbisch-orthodoxe Gemeinde feiert ihr 150-Jahr-Jubiläum. | Wien. Mit einem Festgottesdienst in der St.-Sava-Kirche in Wien-Landstraße feierte am Montag die serbisch-orthodoxe Kirchengemeinde ihr 150-jähriges Bestehen. Mit dabei waren die serbisch-orthodoxen Bischöfe Irinej Bulovic, Konstantin Dokic sowie Metropolit Michael Staikos. Die offizielle Gründung der Gemeinde im Jahr 1860 ist das bedeutendste Ereignis in ihrer Geschichte. Seither genießt die Gemeinde staatliche Anerkennung, in öffentlichen Schulen gibt es serbischen Religionsunterricht.


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"In der Nähe des Schloss Belvedere, wo schon mehrmals über das Schicksal des Serben entschieden wurde, befindet sich der Sitz der Pfarrgemeinde und der serbisch-orthodoxen Pfarrkirche Heilige Sava", erzählt der Erzpriester Krstan Kneevic. 1890 begann die Errichtung der Kirche Heilige Sava. In Anwesenheit von Kaiser Franz Josef, der den Kirchenbau auch finanziell unterstützte, wurde sie im Jahr 1893 eingeweiht.

Projektant der Kirche war Architekt Heinrich Wagner, das Innere dekorierte Hoftischler Alexander Albert. Die Gemeinde Heilige Sava bekam auch eine eigene Parzelle am Wiener Zentralfriedhof zugewiesen. Heute bestehen in Wien noch zwei weitere serbisch-orthodoxe Pfarrkirchen in Wien-Hernals (Entschlafung Marias) und in Wien-Leopoldstadt (Auferstehung Christi). Die Gemeinde vereint heute eine große Zahl an Zuwanderern: Zu Weihnachten und Ostern besuchen bis zu 5000 Serben die Messe.

Der Mensch identifiziert sich meist mit der Umwelt, in der er lebt. Die Veränderung der Umgebung bedeutet daher eine große emotionale Umstellung. In dieser Situation dient die Kirche als Identifikationsort, in dem man eine neue Position findet, und als Ort der Traditionsbewahrung. "Wir bewahren das, was speziell unser ist, andererseits versuchen wir uns überall zu integrieren", meint Kneevic. "Neben der Einhaltung der Tradition ist es wichtig, dass jeder von uns in der österreichischen Gesellschaft seinen eigenen Platz findet, auf dem er erfolgreich ist."

"Die Zahl der Gläubigen wird immer größer"

Erzpriester Kneevic ist seit 1990 in Wien. Am Anfang versammelten sich am Sonntag regelmäßig zwischen hundert und zweihundert Gläubige. Die meisten Zuwanderer kommen vom Land, wo der Kommunismus keinen so starken Einfluss auf das religiöse Leben ausübte. Doch mit Ausbruch des Kriegs im ehemaligen Jugoslawien hat sich die Zahl verdoppelt: "Die Leute sind in die Kirche gekommen und haben hier eine Antwort darauf gesucht, was mit dem serbischen Volk und der Heimat geschehen wird", erinnert sich Erzpriester Kneevic. Seitdem wird die Zahl der Gläubigen, die in die Kirche kommen, immer größer.

"Als Priester hatten wir in Wien eine Mission, damit die Leute hier nicht ihren Lebenssinn und ihren christlichen Glauben in so einer schweren Situation verlieren", erzählt Kneevic und fügt hin zu: "Die Ruhe, die die Leute hier im Tempel nach dem gemeinsamen Gottesdienst spüren, ist anziehend."

Anlässlich des Jubiläums kommt im September der Patriarch der serbisch-orthodoxe Kirche Irinej nach Wien. Weiters ist im Wiener Dommuseum bis 30. Oktober die große Ausstellung "Serbien - Kulturelle Brücke zwischen Ost und West" zu sehen. Zur Eröffnung am Dienstag kommt auch der serbische Staatspräsident Boris Tadic.