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Oscars auch für "blöde" Filme

Von Matthias Greuling

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Die Oscar-Akademie will sich wieder einmal neu erfinden, weil man den eklatanten Zuschauerschwund bei den Einschaltquoten so nicht mehr hinnehmen will. Also muss eine neue Kategorie her, in der man Oscars verleihen darf: "Outstanding Achievement in Popular Film" (außergewöhnliche Leistung im Populärfilm) soll die Kategorie heißen, und dabei sollen nun auch Filme zum Zug kommen, die bisher eher nicht in das Oscar-Rennen gepasst haben, entweder, weil sie zu blöd waren oder einfach nicht den elitären Habitus der üblichen Oscar-Ware aufwiesen. In Hinkunft wird also auch der Geschmack des Publikums berücksichtigt, das wird uns Oscar-Gewinner wie "Fast & Furious" bescheren, oder auch "Black Panther", das wird eine Vielzahl an seichten Komödien oder Fantasy-Epen mit Oscar-Gold adeln. Das ist die eine Sache.

Die andere ist freilich, dass die Academy durch die Formulierung "Popular Film" automatisch die übrigen Filme zu unpopulären Mitbewerbern macht.

Und wieder ein anderer Aspekt ist, dass es, bitte sehr, noch nie so gewesen ist, dass der Oscar kein Interesse am populären Kino hatte. Die Academy tut gerade so, als hätte es sich beim Oscar bisher um einen Preis für abgehobene Filmkunst gehandelt. Dabei wissen doch alle, dass es bei den Oscars vor allem um viel Geld geht: Oscarprämierte Filme steigern ihren Umsatz an der Kinokasse bis zum Zehnfachen. Der Oscar war immer ein Preis für das Mainstreamkino, dafür braucht es wirklich keine eigene Kategorie.