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Osram-Deal von ams wäre österreichischer Rekord

Von Karl Leban

Wirtschaft

Gelingt dem steirischen Chiphersteller die Übernahme, wäre dies der bisher größte Zukauf einer heimischen Firma im Ausland.


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Wien. Beim traditionsreichen deutschen Lichttechnikspezialisten Osram bahnt sich eine Bieterschlacht an - mit österreichischer Beteiligung. Der steirische Halbleiterhersteller ams hat vor wenigen Tagen ein Übernahmeangebot von 38,50 Euro je Aktie angekündigt. Dieses Offert liegt um zehn Prozent über dem an der Börse bereits laufenden Angebot der beiden US-Investmenthäuser Bain und Carlyle und bewertet Osram als Gesamtunternehmen mit stolzen 4,3 Milliarden Euro. Falls ams die Übernahme gelingt, wäre dies die bisher größte Akquisition eines österreichischen Industrieunternehmens im Ausland.

Das Kuriose dabei: Den meisten Österreichern ist die in Premstätten (Graz-Umgebung) ansässige Firma bisher unbekannt gewesen, während Osram vor allem in Deutschland zu den bekanntesten Unternehmen zählt. Hervorgegangen ist ams jedenfalls aus einem 1981 gegründeten Gemeinschaftsunternehmen des US-Halbleiterproduzenten American Micro Systems mit der Voestalpine. Die damals noch verstaatlichte Voestalpine wurde später Alleineigentümerin von ams, ehe die Hightech-Schmiede 1993 als erstes europäisches Halbleiterunternehmen an die Börse (in Wien) gebracht und privatisiert wurde. Seit 2004 notiert ams ("austriamikrosystems") an der SIX Swiss Exchange, der Börse in Zürich.

Mit seinen Produkten - spezifischen Halbleitern und Sensoren - beliefert das steirische Unternehmen nach eigenen Angaben mehr als 8000 Kunden aus den Bereichen Mobilkommunikation, Unterhaltungselektronik, Industrieautomation, Medizintechnik und Autoindustrie. Die Firma, die im vergangenen Jahr mit rund 9000 Mitarbeitern 1,43 Milliarden Euro umgesetzt und daraus unter dem Strich einen Gewinn von 10,6 Millionen Euro lukriert hat, gilt auch als wichtiger Zulieferer des Smartphone-Herstellers Apple.

Im Übrigen ist ams wesentlich kleiner als Osram. Zum Vergleich: Das mittlerweile hundert Jahre alte Münchner Unternehmen, das einst zum Siemens-Konzern gehörte, 2013 aber abgespalten wurde, machte im abgelaufenen Geschäftsjahr mit rund 26.400 Beschäftigten einen Umsatz von 4,1 Milliarden Euro und einen Gewinn von 142 Millionen Euro.

Führende Position beioptischen Halbleitern im Visier

Was dem Vorstandschef von ams, dem ehemaligen Siemens-Manager Alexander Everke, mit der angestrebten Übernahme vorschwebt, ist die "Schaffung eines weltweit führenden Anbieters von Sensorlösungen und Photonik", wie es bei ams heißt. Der Begriff Photonik bezieht sich auf die Verarbeitung von Informationen, die auf der Wechselwirkung von Lichtsignalen beruht.

Mit Osram an Bord könnte ams "seine optischen Sensor- und Beleuchtungslösungen in Bezug auf Performance, Baugröße, Energieeffizienz und Kosten verbessern", wird in der Zentrale in Premstätten erklärt. Osram würde dabei eine führende Marktposition etwa in den Bereichen Hochleistungs- und Infrarot-LEDs einbringen, was das Portfolio von ams gut ergänzen würde. Und damit könnte sich ams als "führender Anbieter für optische Halbleiter" und als "einziger Anbieter eines kompletten Lösungsspektrums für neue, schnell wachsende Anwendungen" etablieren. Beinhalten würden diese zum Beispiel 3D-Sensorik, Sensorik im Fahrzeuginnenraum, industrielle Bildsensorik oder digitale Beleuchtung für Autos.

Viele Menschen assoziieren mit Osram primär die Herstellung von Glühbirnen, doch inzwischen produziert die frühere Siemens-Tochter vor allem Leuchtdioden (LEDs) und optische Halbleiter, wobei Auto- und Smartphone-Produzenten die wichtigsten Abnehmer sind. Weltweit waren die Verkaufszahlen von Autos und Smartphones zuletzt jedoch rückläufig, dies hat auch das Geschäft von Osram in Mitleidenschaft gezogen und in den ersten drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahres 2018/19 Umsatzeinbußen und rote Zahlen beschert. Osram-Chef Olaf Berlien ist deshalb gerade mit einem Konzernumbau beschäftigt, ein Sparprogramm läuft. Unabhängig davon sieht ams im Fall einer erfolgreichen Übernahme jährlich Kostenersparnisse in Höhe von zirka 240 Millionen Euro.

Finanzierung: Zwei Großbanken stehen hinter ams

Kommt der Deal zustande, wollen die Steirer diesen zunächst mit Krediten finanzieren. Wie es aus dem Unternehmen heißt, sei von den Großbanken HSBC und UBS eine sogenannte Brückenfinanzierung über 4,2 Milliarden Euro, eine Art Zwischenfinanzierung, zugesagt. In weiterer Folge wäre geplant, dieses Volumen durch Eigen- und Fremdkapitalemissionen zu refinanzieren. So sollen etwa 1,5 Milliarden Euro über eine Kapitalerhöhung, den Verkauf neuer ams-Aktien, aufgebracht werden, der Rest wohl über Anleihen.

Aktuell verhandeln die Steirer mit dem Osram-Management darüber, wie das geplante Angebot im Detail - etwa auch in Bezug auf Mitarbeiter und Standortfragen (Gewerkschafter malten Zerschlagungsszenarien an die Wand) - aussehen soll, damit es nicht als feindlich eingestuft wird. Im Juli, als ams den ersten Übernahmeversuch startete, war dies nämlich der Fall gewesen und ams hatte sich daraufhin wieder zurückgezogen. Doch nun will der Osram-Vorstand den Steirern ein freundliches Offert ermöglichen - daher die Verhandlungen. Sobald es eine Vereinbarung gibt (dem Vernehmen nach könnte es kommende Woche soweit sein), kann ams sein Angebot offiziell machen.