Ost- und Südosteuropa Ziel von "nearshoring" westlicher Firmen

Von Marijana Miljković

Wirtschaft

Länder der Region profitierten in der Vergangenheit laut einer Studie enorm von Direktinvestitionen aus Österreich und Deutschland.


So genanntes nearshoring ist bei Direktinvestitionen aus dem Ausland (FDI) das Stichwort der Stunde. Das Verlagern der Produktion in östliche Länder innerhalb Europas ist angesichts der globalen Verwerfungen und Lieferkettenproblematik eine Chance, die insbesondere die Staaten Südost- und Osteuropas gut nützen können - "wenn die Bedingungen stimmen", sagt Philipp Haußmann vom Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft.

Die Bedingungen, das sind Korruptionsbekämpfung und Staatsführung (Governance). Beim Aufbau dieser waren die Länder bisher säumig, und das spiegelt sich auch in der Wirkung von FDI auf die Länder wider, fanden Ökonomen des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) heraus. Sie untersuchten die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkung von FDI der vergangenen 30 Jahre auf 17 Volkswirtschaften: die Visegrad-Staaten Tschechein, Slowakei, Ungarn und Polen, die neuen EU-Mitglieder Slowenien, Rumänien, Bulgarien und Kroatien, die Westbalkanstaaten Serbien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Albanien und Kosovo sowie die baltischen Staaten Estland, Litauen und Lettland.

Hohes Wirtschaftswachstum

Zwischen 1993 und 2020 investierten deutsche Firmen etwa 109 Milliarden Euro in den 17 Ländern, österreichische Unternehmen 76 Milliarden Euro. Die FDI machten jährlich durchschnittlich 4,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus und war damit fast doppelt so hoch wie der globale Schnitt, der 2,5 Prozent betrug. Das jährliche BIP-Wachstum in den untersuchten Ländern war deswegen jedoch nicht höher als der globale Schnitt, sondern lag sogar drunter: er machte 2,5 Prozent aus, die globale Wachstumsquote betrug 2,9 Prozent.

Den Grund dafür machten die Studienautoren in der eingangs erwähnten Governance aus: mangelnden Maßnahmen in puncto öffentliche Investitionen in Infrastruktur, geringen Ausgaben für öffentliche Dienstleistungen, begrenzte staatliche Umverteilung sowie mangelnde Rechtsstaatlichkeit.

Nichtsdestotrotz trugen die deutschen und österreichischen Direktinvestitionen "maßgeblich zum Wirtschaftswachstum und Beschäftigung bei," so die Studienautoren bei der Präsentation am Mittwoch in Wien - mehr als Investitionen aus anderen EU-Ländern. Gleichzeitig leisteten sie auch einen Beitrag zum Abbau von Armut und sozialer Ungleichheit, so das Fazit der Studie. Außerdem eröffneten die Investitionen deutschen und österreichischen Unternehmen neue Absatzmärkte sowie Zugang zu billigen Arbeitskräften.

In Zukunft sollen die Staaten FDI gezielt auf jene Investitionen konzentrieren, wo sich positive soziale und wirtschaftliche Auswirkungen erwarten lassen, so die Empfehlung der Studie.