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Österreich braucht 1-Euro-GmbHs

Von Josef Bucher

Gastkommentare
Josef Bucher ist Klubobmann des BZÖ.

Die Gründung von Unternehmen muss deutlich vereinfacht und billiger werden - ohne Steuern und Gebühren.


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Die Zahl der Firmengründungen geht in Österreich permanent zurück. 2012 gab es knapp 27.200 neue Unternehmen, um 361 weniger als 2011. Das BZÖ verlangt daher die vereinfachte Gründung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung für Personen unter 35 Jahren - sogenannte 1-Euro-GmbHs. Die Gründung erfolgt durch einen festgelegten Standardvertrag. Es sind keine Steuern und Gebühren vorgesehen, das Stammkapital beträgt mindestens einen Euro und weniger als 10.000 Euro, nur Gesellschafter dürfen Verwalter sein.

Der "Doing Business 2013"-Bericht der Weltbank vergleicht die Rahmenbedingungen für Unternehmer weltweit. Österreich landet in diesem Ranking nur auf dem 29. Platz. Verglichen wurden 185 Staaten, am besten abgeschnitten hat einmal mehr Singapur. Aber auch Schweden, Deutschland oder Georgien liegen weit vor Österreich. In einem Punkt schneidet Österreich aber alarmierend ab - nämlich bei der Unternehmensgründung. Laut Weltbank dauert es acht Amtswege und 28 Werktage, um hierzulande eine Firma zu gründen. Dabei ist vor allem der bürokratische Aufwand, den ein Jungunternehmer zu bewältigen hat - Bank, Firmenbuch, Gewerberegister, Notar, Beratungstermine bei Rechtsanwalt oder Wirtschaftskammer - sehr groß. Von allen Ländern schafft es Österreich deshalb in diesem Punkt nur auf Platz 134 (von 185). Befragt werden für die Weltbank-Studie heimische Institutionen, Behörden, Steuerexperten und Unternehmer. Die Experten sind einer Meinung, dass der Weg zum eigenen Unternehmen derzeit zu schwerfällig und zu kostspielig ist.

Es muss eine vereinfachte Gründung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung für Personen unter 35 Jahren geben. Das soll die Unternehmensgründung für Jungunternehmer in unserem Land attraktiv machen. Mit einem symbolischen Startkapital von 1 Euro und ohne notarielle Kosten können Unternehmensgründer unter 35 Jahren den Bürokratiemarathon einfach umgehen.

So ist eine solche "Mini-GmbH" oder "GmbH light" in Ländern wie Deutschland, Italien oder England längst üblich. Beispielsweise ist seit heuer in Italien die Gründung von Start-up-Gesellschaften möglich. 4100 neue Gesellschaften wurden zuletzt dank dieses flexiblen Systems gegründet, 3000 davon von Unternehmern unter 35 Jahren. Die Regionen mit den meisten Unternehmensgründungen sind Latium mit der Hauptstadt Rom (631), das süditalienische Kampanien mit 598 und die Lombardei mit 506. In Trentino/Südtirol wurden mit diesem System 27 neue Gesellschaften aus der Taufe gehoben.

Die Jugendarbeitslosigkeit in Österreich liegt derzeit bei knapp neun Prozent, aber die rot-schwarze Bundesregierung bleibt tatenlos. Arbeitslose sollen daher endlich die Möglichkeit erhalten, bei einer Geschäftsidee ein Unternehmen zu gründen, ohne sich in große Schulden stürzen zu müssen. Im Kampf gegen die Wirtschaftskrise muss es Erleichterungen für Unternehmensgründungen geben. Österreich soll zukünftig das Land der Unternehmer werden.