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Österreich braucht eine Wende in der Bildungspolitik

Von Pamela Rendi-Wagner

Gastkommentare
Pamela Rendi-Wagner ist Klubobfrau der SPÖ.

Wir müssen wegkommen von einer Politik des kleinsten gemeinsamen Nenners.


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Die aktuellen Ergebnisse des Pisa-Tests stellen Österreichs Schulsystem ein mittelmäßiges Zeugnis aus. Wir brauchen jetzt einen nationalen Schulterschluss, um Österreich in der Bildung nach vorn zu bringen und jedem Kind eine faire Chance auf eine gute Ausbildung zu geben.

Bildung ist für jedes Kind ein Schlüssel zu einem geglückten, selbstbestimmten Leben. Unsere Aufgabe als Politikerinnen und Politiker ist es, dafür zu sorgen, dass jedes Kind die beste Ausbildung bekommen kann - unabhängig von der Geldbörse der Eltern, von Herkunft oder Wohnort.

Die jüngste Pisa-Studie, die vergangene Woche veröffentlicht wurde, hat gezeigt, dass Österreichs Bildungssystem weiterhin nur im Mittelfeld liegt. Und sie hat wieder einmal bestätigt, dass Bildung bei uns sehr stark "vererbt" wird. In kaum einem anderen Land hängt der Bildungserfolg eines Kindes so stark davon ab, welche Ausbildung seine Eltern haben. Das ist ungerecht - und es ist leistungsfeindlich, weil Kinder dadurch ihre Talente nicht ausschöpfen können.

Wenn wir allen Kindern in Österreich ihre Chance geben wollen, dann braucht es eine bildungspolitische Wende. Wir müssen wegkommen von einer Politik des kleinsten gemeinsamen Nenners. Bildungspolitik eignet sich nicht für Kompromisse, das hat die Vergangenheit gezeigt.

Was es braucht, ist eine nationale Kraftanstrengung, ein parteienübergreifender Schulterschluss, um Bildung ins Zentrum der Politik zu rücken. Ich schlage deshalb vor: Machen wir einen nationalen Bildungskonvent. Bringen wir Parteien, Expertinnen und Experten, Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern an einen Tisch und definieren wir, welche Ziele und Maßnahmen wir brauchen, um Österreichs Schulsystem an die Spitze zu bringen. Diese Maßnahmen sollten wir außer Streit stellen und umsetzen - unabhängig von Koalitionen und Regierungswechsel.

Sieht man sich Pisa-Spitzenreiter wie Finnland, Estland oder Kanada an, ist klar, wohin die Reise in Österreich gehen muss. All diese Schulsysteme setzen auf Ganztagsschulen, moderne, digitale Unterrichtsmethoden sowie zusätzliches Unterstützungspersonal für die Lehrerinnen und Lehrer. Was wir rasch umsetzen sollten:

Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen und Einführung eines zweiten kostenlosen und verpflichtenden Kindergartenjahres. Denn der Kindergarten ist die erste Bildungseinrichtung und entscheidend für die Sprachförderung.

Massiver Ausbau der Ganztagsschulen mit kostenlosem Mittagessen, täglicher Bewegung, Lernförderung und Ferienbetreuung.

5000 zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer. Diese sollen nach einem Chancenindex für Schulen mit besonderen Herausforderungen zugeteilt werden.

Mehr Unterstützung für die Pädagoginnen und Pädagogen: Sie sind der Schlüssel zu Lernfreude und Motivation. Sie brauchen mehr Unterstützungspersonal, aber auch verpflichtende Weiterbildung und gute Feedback-Systeme.