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Österreich greift nach den Sternen

Von Heiner Boberski

Wissen

Erforscht werden Schwankungen der Helligkeit massiver, sehr heller Sterne. | Erhofft werden neue Erkenntnisse über das Universum. | Wien/Graz. Auch in Sparzeiten lässt sich Österreich die Spitzenforschung etwas kosten. Der für Sommer 2011 geplante Start zweier Mini-Satelliten an Bord einer indischen Rakete macht das Land, das die Weltraumforschung mit entwickelt hat, zur echten "Weltraumnation". | 'Weltraumnation' Österreich | Das moderne Leben hängt an 800 Satelliten


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Beteiligt daran sind die Technische Universität (TU) Graz, die TU Wien sowie die Uni Wien.

"TUGSAT-1" und "UniBRITE" sollen die Helligkeitsschwankungen von Sternen mit bisher nicht erreichter Genauigkeit messen. Im Visier hat man etwas mehr als 400 sehr leuchtkräftige Sterne der "Helligkeitsklasse bis zur vierten Größe", erläutert der astronomische Projektleiter Werner Weiss vom Institut für Astronomie der Universität Wien. Das sind jene Sterne, die man mit freiem Auge von der Erde leicht sehen kann. Was im Inneren dieser Himmelskörper abläuft, ist freilich unklar und soll durch die genaue Beobachtung geringster Helligkeitsschwankungen ermittelt werden. Die Forscher erhoffen sich vertiefte Erkenntnisse zu den Theorien über den Aufbau von Sternen und letztlich auch über die Geschichte des Universums.

Die beiden Satelliten sind Würfel mit einer Kantenlänge von 20 Zentimetern und haben eine Masse von je sieben Kilogramm. Die Technische Universität (TU) Graz hat "TUGSAT-1" gebaut, am Space Flight Laboratory der Universität Toronto (Kanada) entstand im Auftrag der Uni Wien der baugleiche "UniBRITE". Das Duo gehört zur Mission "BRITE" (Bright Target Explorer), für die bis 2012 weitere vier Satelliten - je zwei aus Polen und Kanada - ins All fliegen sollen.

Der technische Projektleiter Otto Koudelka (Institut für Kommunikationsnetze und Satellitenkommunikation der TU Graz) sieht den erstmaligen Einsatz mehrerer Mini-Satelliten mit dem gleichen Beobachtungsziel als sehr positiv an: "Dadurch vervielfacht sich die Beobachtungszeit, der wissenschaftliche Ertrag wird ungleich größer."

Zeilingers Vorhaben

Die Kosten des "TUGSAT-1" für Hardware, Bau und Test des Satelliten betragen rund 450.000 Euro. Koudelka freut sich dabei, dass das Geld "zu 100 Prozent an österreichische Unis geflossen ist". Die Aufwendungen für den Start darf Koudelka "aus vertraglichen Gründen nicht nennen". Man liege aber "signifikant" unter dem handelsüblichen Preis von 20.000 Euro pro Kilogramm.

Das Projekt soll "keine Eintagsfliege" bleiben, sondern dazu dienen, Know-how für die Entwicklung solcher Klein-Satelliten gewinnen. Selbst größere Weltraumagenturen interessierten sich bereits für dieses Konzept, "weil das eine sehr kostengünstige Möglichkeit ist, neue Technologien im Weltraum auszuprobieren", so Koudelka. In Graz denkt man schon an Nachfolge-Projekte, etwa einen Mini-Satelliten zum Beobachten von Blitzen, die sich nicht Richtung Erde, sondern ins All entladen.

Das Projekt mit eigenen Satelliten ist nur ein markantes Beispiel dafür, welche Rolle der Weltraum für Österreichs Forschung spielt. Mit großem Interesse wird zum Beispiel erwartet, wie die Experimente des Physikers Anton Zeilinger mit verschränkten Photonenpaaren im All ablaufen. Mit Hilfe eines chinesischen Satelliten will Zeilinger 2015 oder 2016 das von Albert Einstein "spukhafte Fernwirkung" genannte Phänomen - zwei verschränkte Lichtteilchen bleiben über theoretisch beliebige Distanzen wie durch Zauberhand miteinander verbunden - überprüfen. Auf Erden sind die Störungen zu groß, immerhin funktionierte aber das Experiment bereits über 144 Kilometer Distanz zwischen den kanarischen Inseln La Palma und Teneriffa.

Innsbrucker Wissenschafter um Olaf Reimer waren beteiligt, als vor rund einem Jahr mit dem Weltraumteleskop "Fermi" Theorien über die Entstehung eines Teils der kosmischen Strahlung bestätigt werden konnten.

Mars-Anzug aus Tirol

In Tirol stellt das mit der Universität Innsbruck kooperierende Österreichische Weltraum Forum eines von weltweit vier Teams, die an der Entwicklung eines Mars-Raumanzuges (das derzeitige Modell wiegt 45 Kilogramm) arbeiten.

Das Grazer Institut für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften kann etliche wichtige Forschungsleistungen vorweisen, zuletzt zum Beispiel die Entdeckung einer dritten Jupiter-Radiostrahlung. Das IWF koordiniert europaweit die terrestrische Planetenbeobachtung.