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Österreich profitiert von Erweiterung

Von Hans-Paul Nosko

Wirtschaft

Österreich wird von der EU-Erweiterung ökonomisch profitieren. Um den heimischen Wirtschaftsstandort attraktiv zu gestalten, sollte jedoch die Körperschaftssteuer gesenkt werden. Diese Meinung vertrat Christian Helmenstein, Wirtschaftsforscher am Institut für höhere Studien (IHS), gestern auf einer Pressekonferenz der Industriellenvereinigung (IV). Eine Studie des WIIW spricht von Marktanteilsverlusten Österreichs innerhalb der EU zu Gunsten einiger Beitrittsstaaten.


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"Über unsere Wettbewerbsfähigkeit müssen wir uns keine Sorgen machen - wir werden auf den Märkten Mittel- und Osteuropas reüssieren", sagte Christian Helmenstein. Wie bereits nach dem Fall des Eisernen Vorhangs werde Österreich auch von der EU-Erweiterung wirtschaftlich profitieren, so der Wirtschaftsexperte.

Helmenstein verwies dabei auf die wesentlich höhere Produktivität Österreichs im Vergleich zu den beitretenden Ländern Mittel- und Osteuropas, aber auch gegenüber Deutschland. Um allerdings für ausländische Investoren attraktiv zu bleiben, sei eine Reduktion der Körperschaftssteuer (KöSt) notwendig. Diese beträgt derzeit

34%. Die Wahrscheinlichkeit, dass ausländische Firmen sich in Österreich ansiedeln, liegt laut IHS derzeit im EU-Durchschnitt. Bei einer Verringerung der KöSt auf 25% würde Österreich attraktiver als etwa Deutschland oder Italien sein. Bliebe der Steuersatz jedoch weiterhin auf 34%, würde Österreich zum unattraktivsten Land innerhalb der Union, so Helmenstein.

Trotz generell guter Wachstumschancen im Zuge der EU-Erweiterung werden einige heimische Wirtschaftszweige unter Druck kommen. Der Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Lorenz Fritz, nannte hier beispielshaft die Zementindustrie, das Baunebengewerbe oder etwa die persönlichen Dienstleistungen.

Einer zusätzlichen Förderung österreichischer Grenzlandregionen, wie die WKO-Präsident Christoph Leitl gefordert hatte, erteilte Fritz eine klare Absage. Wichtiger seien Initiativen hinsichtlich Aus- und Weiterbildung, namentlich zum Erlernen osteuropäischer Sprachen, sagte Fritz.

Marktanteile gehen an Beitrittsländer verloren

Starke Konkurrenten für die heimische Wirtschaft sieht das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) in einigen Beitrittsländern: So würden etwa Polen und Ungarn Marktanteile innerhalb der EU auf Kosten Österreichs, aber auch Frankreichs gewinnen. Von der neuen Konkurrenz kaum betroffen sind dagegen Griechenland, Portugal und Spanien.