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Kredite in Fremdwährungen sind bei den Österreichern besonders beliebt. 19% aller ausständigen Unternehmenskredite und sogar jeder vierte Privatkredit lauten auf Fremdwährungen. Insgesamt gibt es hierzulande fast 300.000 Fremdwährungskredite, geht aus einer gestern präsentierten Studie der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) hervor.
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Österreich nimmt demnach in Europa eine herausragende Stellung ein - was allerdings "kein Ruhmesblatt unserer Finanzmarktkultur" sei, wie OeNB-Vizegouverneurin Gertrude Tumpel-Gugerell vor Journalisten betonte.
Während der österreichische Anteil am im Euroraum (Studie ohne Luxemburg, Griechenland) aushaftenden Kreditvolumen 2002 nur 3,2% ausmachte, betrug der Anteil an den Fremdwährungskrediten 17,9%. Von den in Schweizer Franken vergebenen Krediten entfielen 36,7% auf Österreich, von den Yen-Krediten sogar 48,9%. Gemessen am Volumen, nehmen die Frankenkredite mit 55% vor den Yenkrediten mit 37% den wichtigtsen Platz bei den Fremdwährungskrediten der Österreicher ein, so die OeNB-Studie, die die "Struktur und Risiken von Fremdwährungskrediten" analysiert.
"Die Aufnahme von Fremdwährungskrediten ist eine Art von Währungsspekulation und mit einer Reihe von Risiken verbunden, auch für die Banken", gab Tumpel-Gugerell das Fazit der Studie wieder. Die Risiken würden sowohl Kreditnehmer, wie auch Kreditgeber treffen, betonte die Vizegouverneurin. In erster Linie werde der Kreditnehmer mit dem Wechselkursrisiko getroffen. Im schlimmsten Fall - Kreditaufnahme zum Tiefstkurs und Rückzahlung zum Höchstkurs - hätte es seit 1995 bei einem Franken-Kredit zu einem Verlust von 20% und bei einem Yen-Kredit von 80% kommen können.
"Der Kunde sieht die niedrigen Zinsen und nimmt sich oft nicht die Zeit, die Risiken zu hinterfragen", meinte Andreas Ittner, in der OeNB für Bankenaufsicht zuständig. Oft hätten die Kreditnehmer damit Erfolg, schwierig sei es jedoch, den richtigen Zeitpunkt für einen Ausstieg zu finden. Für die Kreditgeber besteht laut OeNB bei Fremdwährungskrediten ein erhöhtes Ausfallrisiko und ein so genanntes Klumpenrisiko. Darüber hinaus gebe es ein Refinanzierungsrisiko, ein Wechselkursrisiko, ein erhöhtes operationales Risiko sowie ein "Reputationsrisiko".
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