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Österreichischer Film par excellence

Von Ina Weber

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Woran erkennt man, dass ein Film wirklich gut ist? Genau. Man kann ihn ein paar Mal sehen, ohne dass einem langweilig dabei wird. Der Ausgang der Geschichte ist dabei nicht so wichtig - oft weiß man das Ende auch gar nicht mehr, was auch wiederum ein Hinweis für gut gemacht ist - denn das Spannende ist der Film selbst. "Polterabend" von Julian Pölsl nach einem Roman von Alfred Komarek ist ein gutes Beispiel dafür, wie österreichisches Fernsehen funktionieren kann. Die Zutaten sind perfekt: Man nehme einen österreichischen Schriftsteller, den Bad Ausseer Alfred Komarek, der mit seinen Polt-Romanen in die Seele der Weinviertler blicken lässt. Dazu kommt ein steirischer Regisseur, Pölsl, der sich dem österreichischen Raum mit seinen regionalen Eigenheiten verschrieben hat. Die Kamera fängt Bilder ein, die mehr sagen als viele Worte. Schneebedeckte Weinhügel, das Knirschen von Schuhen im Schnee, eine Leiche beim Eisweinpressen, ein erschlagener Hund in der Tiefkühltruhe - die Kälte spricht von der Einsamkeit und Verzweiflung der Menschen und gleichzeitig wird der Schnee zum warmen Mantel für einen erfrorenen Betrunkenen. Der Wiener Schauspieler Erwin Steinhauer stellt den sympathischen Gendarmen Simon Polt hervorragend dar, der nicht nach Vorschrift handelt, sondern versucht, das Richtige zu tun. Die Oberösterreicherin Birgit Minichmayr spielt überzeugend Monika, die vergewaltigte Tochter, die kein Wertgefühl mehr besitzt. Ebenso grandios Paulus Manker als Zuhälter. Der "Polterabend" wurde als letzter von vier Teilen vom ORF im Jahr 2003 verfilmt. Mit solchen Filmen erfüllt der ORF eindeutig seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag.