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Österreichs ärmste Regionen fallen noch weiter zurück

Von Claudia Peintner

Wirtschaft
Das Mühlviertel bezaubert durch seine Natur - das große Geld bringen meist jedoch nur Firmensitze. Foto: bb

Je abgelegener und ländlicher die Region, desto niedriger die Wirtschaftskraft. | Südburgenland, Mühl- und Weinviertel als Schlusslichter. | Wien. Regionen, die weder große Industriebetriebe beheimaten noch Touristenströme anlocken, stecken in einer finanziellen Zwickmühle - oft auch ohne Eigenverschulden.


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Fakt ist: Seit Jahren sind es in Österreich die selben Gebiete, die sich mit dem Schlusslicht-Dasein bei der Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung abfinden müssen.

Auch 2007 lagen das Wein- und das Mühlviertel mit 16.500 beziehungsweise 18.100 Euro regionalem Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner an letzter Stelle. Knapp davor finden sich das Süd- und Mittelburgenland mit 19.100 und 19.400 Euro. Zum Vergleich: Der Durchschnittswert für Österreich lag 2007 laut Statistik Austria bei einem BIP von 32.600 Euro je Einwohner. Was ist schuld an dem Gefälle?

"Es handelt sich um strukturschwache Regionen, die abgelegen von wirtschaftlichen Lebensadern sind", argumentiert der Österreichische Gemeindebund.

Verlockung Großstadt

Weder durch das Südburgenland noch durch das Mühl- oder Weinviertel führen relevante Verkehrsrouten. Auf Grund der Lage an peripheren Grenzgebieten seien große Firmen schwer für Ansiedelungen zu begeistern.

Gleichzeitig erweist sich die Nähe zu Ballungsräumen wie Wien, Graz oder Linz oftmals als Fluch. Nicht nur die Betriebe zieht es in die Zentren, auch die Bevölkerung. Das statistische Problem dabei: Ein Burgenländer, der nach Wien pendelt, trägt mit seiner Arbeitsleistung zum BIP der Bundeshauptstadt bei und nicht zu jenem seines Heimatorts. Die schlechte Wirtschaftskraft des Wein- und Mühlviertels führen Experten darüber hinaus auch mit dem hohen Anteil an der - weniger lukrativen - Land- und Forstwirtschaft zurück.

EU-Geld fruchtet wenig

Selbst EU-Förderungen in schwache Regionen konnten das Blatt nicht wenden, wie etwa die jüngste Vergangenheit zeigt. So brachten die Gelder, die in eine verstärkte Tourismuskooperation zwischen oberösterreichischen Grenzgemeinden und Südböhmen flossen, im Vergleich zu den Vorjahren bis dato nur einen minimalen Anstieg der Wirtschaftskraft. Auch im Burgenland spiegelt sich der hohe Einsatz von "Ziel 1-Förderungen" - etwa in Infrastruktur, Straßenbau oder Thermen - noch nicht in einer höheren Wirtschaftsleistung wider.

Einen Grund dafür glaubt Alexander Maimer vom Zentrum für Verwaltungsforschung zu kennen. Die wirtschaftliche Entwicklung sei eng mit der demografischen Entwicklung verknüpft. Kennzeichnend für viele wirtschaftlich schwachen Regionen sind laut Maimer auch eine hohe Abwanderung und Überalterung der Bewohner sowie fehlendes Fachpersonal. "Eine Förderung von regionalen Entwicklungspotenzialen kann den negativen Trend abschwächen, aber nicht umkehren", betont der Experte für Gemeindefinanzen.

An der Spitze beim BIP je Einwohner lag im Jahr 2007 weiterhin Wien mit 43.300 Euro, gefolgt von den Regionen Linz-Wels (41.900 Euro) und Salzburg und Umgebung (40.900 Euro). Abgesehen von den Hauptstadt-Gebieten ist ein West-Ost-Gefälle zu erkennen.