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Österreichs Aufsichtsräte verdienen am wenigsten

Von Sophia Freynschlag

Wirtschaft

Niedriger Frauen- und Ausländeranteil. | Seilschaften dominieren Auswahl. | Branchenkenner offenbar nicht gesucht. | Wien. Die Zusammensetzung der österreichischen Aufsichtsräte muss vielfältiger werden - es fehlen vor allem ausländische Mitglieder und Frauen.


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Zu diesem Schluss kommt der aktuelle Corporate Governance Report des Personalberaters Heidrick & Struggles, für den die Aufsichtsräte von 371 Unternehmen in 13 europäischen Ländern auf Zusammensetzung, Transparenz und Arbeitsweise untersucht wurden. In Österreich wurden die 20 Unternehmen im Leitindex ATX unter die Lupe genommen.

Insgesamt stellt der Report den heimischen Aufsichtsräten kein gutes Zeugnis aus: Österreich landet an letzter Stelle - hinter Deutschland und Dänemark.

Zu wenig Heterogenität

"Es gibt hierzulande einige sehr gute Aufsichtsräte, zu den übrigen klafft aber eine große Lücke", sagt Stefan Steger, Geschäftsführer Österreich und Osteuropa bei Heidrick & Struggles.

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Besonders die mangelnde Internationalität wird kritisiert: 40 Prozent der Kontrollgremien haben gar keinen Ausländer in ihren Reihen. Mit insgesamt zwölf Prozent ausländischen Aufsichtsräten liegt Österreich europaweit im hinteren Feld. "Überraschend ist, dass davon nur ein kleiner Teil auf Osteuropäer entfällt, obwohl viele heimische Unternehmen ihre Strategie auf Osteuropa ausrichten", sagt Steger.

Nachholbedarf gibt es auch beim Frauenanteil: In 65 Prozent der Aufsichtsräte der ATX-Unternehmen sitzt keine einzige Frau. Nur sechs Prozent der Aufsichtsräte in Österreich sind weiblich, auch in allen 13 Ländern sind es durchschnittlich lediglich zehn Prozent. Der Frauenanteil steigt jedoch in den letzten Jahren - in den untersuchten Ländern wuchs er um 54 Prozent in den letzten sechs Jahren.

Mit durchschnittlich 25.000 Euro Jahresgehalt liegt Österreich auch bei diesem Kriterium auf dem letzten Platz. Hier zeigen sich europaweit große Unterschiede. Zwar vereint das "board" in Großbritannien, Italien und Spanien - Ländern mit höheren Gagen - strategische und Kontrollaufgaben. "Allein damit ist der gewaltige Unterschied aber nicht zu erklären", sagt Steger. Die Bezahlung spiegle die Wertigkeit der Aufsichtsräte wider. Durch höhere Entlohnung könne von den Aufsichtsräten mehr Leistung und Zeit erwartet werden.

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Die österreichischen Kontrollgremien treffen sich mit im Schnitt 5,6 Mal pro Jahr am seltensten. "Vielen Aufsichtsräten bleibt aber zu wenig Zeit für ihre Aufgaben", sagt Steger. Denn die Aufsichtsratsposten konzentrieren sich in Österreich auf zu wenige Personen, heißt es im Bericht. Auch wenn die Zahl der Posten pro Person mittlerweile auf zehn beschränkt wurde.

Bewusster selektieren

"Um verschiedene Sichtweisen zu vereinen, müssen Firmen ihre Aufsichtsräte bewusster auswählen statt auf persönliche Netzwerke zurückzugreifen", sagt Steger. Bei der Auswahl achten die Firmen laut Bericht zu wenig auf das industrielle Wissen der Aufsichtsräte. "Branchenkenner würden die Diskussion im Aufsichtsrat aber wertvoller machen", sagt Steger.