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Österreichs Blauhelme gehen - und hinterlassen Spuren

Von WZ-Korrespondent Andreas Hackl

Politik
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Es ist Krieg, Händler Oded Amba kann diesmal nicht in die Obsthaine an der syrisch-israelischen Grenze hinunter.
© Hackl

Lokalaugenschein: Wird UN-Pufferzone zur neuen Konfrontationslinie?


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Quneitra. Nur wenige hundert Meter von der Grenze zu Syrien entfernt, steigt Oded Amba fast täglich seit Jahrzehnten in seine Obsthaine hinunter. Doch diesen Donnerstag musste er aus Sicherheitsgründen zum ersten Mal seit vierzig Jahren draußen bleiben, als die heftigen Gefechte zwischen syrischen Rebellen und den Truppen von Bashar al-Assad um die Stadt Quneitra die unmittelbare israelische Grenzregion zur Sperrzone werden ließen.

Sein Verkaufsstand steht an einem unter Touristen beliebten Aussichtspunkt. Und Quneitra liegt in Sichtweite. Immer wieder tönen von dort Gewehrschüsse und das dumpfe Donnern syrischer Artillerie. Zwischen den Gebäuden sieht man Rauch aufsteigen. Im Grünland zwischen Syrien und Israel liegt ein kleiner Stützpunkt der seit 40 Jahren hier stationierten Blauhelme des Undof-Mission, darunter auch 378 österreichische Soldaten, die nun abgezogen werden sollen. Sollte der Abzug tatsächlich wie geplant Anfang nächster Woche stattfinden, könnten bald auch andere Entsendeländer nachziehen. Dass Russland tatsächlich ein Kontingent schicken wird, wie von Präsident Wladimir Putin angeboten, ist nicht wahrscheinlich. Moskau steht im Bürgerkrieg fest an der Seite Assads, die geforderte Neutralität ist hier nicht gegeben.

Ein Scheitern der Mission würde Syrien und Israel ein großes Stück weiter aneinanderrücken. Die Pufferzone der Beobachtermission würde sich so in eine Konfrontationslinie verwandeln. "Sollte es dazu kommen, dass die UN-Truppen abziehen, ist das für Israel sehr Besorgnis erregend", sagte ein Sprecher des israelischen Militärs der "Wiener Zeitung" am Freitag. Der Hauptauftrag der Mission ist die Beobachtung der Einhaltung des Waffenstillstandsabkommens zwischen Syrien und Israel, das 1974 geschlossen wurde. Die Blauhelme durch ihre Anwesenheit viele Zwischenfälle verhindert, so der Sprecher.

"40 ruhige Jahre"

Das israelische Militär spricht sich auch gegen einen Abzug der Beobachter aus, weil sich die Lage am Golan ähnlich wie jene am ägyptischen Sinai entwickeln könnte. "Etwa könnten islamistische Gruppierungen das Grenzland nutzen, um immer wieder nach Israel zu schießen", so der Sprecher der Armee. Das würde Israel zu einer Reaktion zwingen und wiederum Eskalation fördern. "Für die israelische Seite und die Armee war die UNO-Mission eine sehr gute Sache. Die letzten 40 Jahre waren ruhig."

Der ehemalige israelische Brigadekommandant Kobi Marom lebt in einer israelischen Siedlung im direkten Grenzgebiet. Für ihn symbolisiert der Kampf um die Stadt Quneitra einen symbolischen Kampf um die "Brücke zu Israel". Und die Blauhelme seien die Wächter dieser Brücke gewesen. "Quneitra ist wie ein Tor zwischen Syrien und Israel", sagt er mit Blick auf umkämpftes Gebiet auf der syrischen Seite. "Israel muss nun alles tun, um wenigstens die Soldaten aus den Philippinen und Indien hier zu behalten."

Für Marom war die Mission der Blauhelme zwar "überhaupt nicht effektiv". Doch die Soldaten hätten zumindest ein Schutzschild gestellt. "Jetzt haben die Soldaten erkannt, dass der Nahe Osten eine gefährliche Gegend ist. Willkommen in der Realität", meint er. Doch nicht alle in Israel kritisieren Österreichs Entscheidung. "Sieh dir das an. Diese Leute werden als menschliches Schutzschild verwendet", sagt ein Israeli aus Tel Aviv auf Urlaub in den Golanhöhen über die Blauhelme. Immerhin wurde die Beobachtermission geschaffen, um das Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und Syrien zu schützen. Nicht, um in einen Bürgerkrieg hineingezogen zu werden.

In Gesprächen mit den Anrainern der Grenzregion wird klar, dass die österreichischen UN-Soldaten für viele mehr als nur ein Schutzschild waren. Oded Amba erzählt, dass seine Tochter vor vielen Jahren hier einen in Österreich geborenen, kanadischen UN-Soldaten kennenlernte, und ihn geheiratet hat. Im August fliege er deshalb über Wien nach Kanada zu Besuch. Ein arabischer Gemüseverkäufer der drusischen-syrischen Minderheit im Golan erzählt von "zwei Freunden", zwei österreichischen UN-Soldaten, die ihm stets Kirschen und Marmelade abgekauft haben. "Ich stehe fast jeden Tag hier und höre die Gefechte", sagt er vor seinem Verkaufsstand in der Nähe eines österreichischen Postens.

Oded Amba hat keine Angst vor möglichen Angriffen aus Syrien. "Ich wohne direkt hier. Sollten Raketen nach Israel geschossen werden, fliegen sie bestimmt über uns hinweg, nach Tel Aviv", meint er mit einem Lächeln. Doch Kobi Marom bezweifelt, dass sporadische Angriffe militanter Gruppierung aus Syrien eine strategische Bedrohung für Israel darstellen. Viel gefährlicher wäre Assads Armee gewesen, die heute weniger "fit" ist als früher. Weil er keine unmittelbar Gefahr sieht, müsse Israel vorerst abwarten. Dass nun auch die radikalislamische libanesische Hisbollah aus dem Libanon in Syrien mitmischt, komme sogar gelegen. "Es lenkt die Aufmerksamkeit von uns weg", meint er. Aus Kreisen des israelischen Militärs hört man unterdessen, dass Israel die internen Entwicklungen im Libanon aufmerksam verfolgt, wo sich immer mehr Kritik gegen die Kriegseinmischung der Hisbollah regt.