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50- bis 69-Jährige alle zwei Jahre zur Mammografie. | Budget steht mit 45 Millionen pro Jahr. | Wien. Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Jährlich erkranken rund 4500 daran, ein Drittel stirbt. Als Antwort darauf will Gesundheitsminister Alois Stöger nun ein flächendeckendes Brustkrebs-Screening alle zwei Jahre für die Risikogruppe der 50- bis 69-Jährigen einführen - und schürt somit den Streit um den Wert von Mammografie-Massenuntersuchungsprogrammen, der unter den Ärzten tobt.
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Von Seiten des Gesundheitsministeriums jedenfalls stehen bereits Budget und Plan für das Screening-Programm, das auf EU-Vorgaben basiert: Insgesamt 45 Millionen Euro jährlich wollen das Ministerium und die Sozialvesicherungen zur Verfügung stellen. Noch offen ist hingegen die Zertifizierung geeigneter Radiologen als Brustkrebszentren, von denen es pro Bundesland mindestens eines geben soll, wie Stöger betont.
Sobald dieser Prozess abgeschlossen ist, soll binnen eines Jahres mit dem Verschicken der Einladungen an alle Kandidatinnen begonnen werden. "Die Schreiben, die anhand des Melderegisters erstellt werden, gelten als ärztliche Überweisungen. Man erspart sich also den Umweg über den Gynäkologen", so Stöger. Insgesamt gehörten mehr als eine Million Frauen in Österreich der Risikogruppe an. Die Untersuchung bleibe freilich weiterhin freiwillig - eine Teilnahmerate von 70 Prozent werde angestrebt.
"Mit solchen Massenuntersuchungsprogrammen lässt sich die Schicksalhaftigkeit des Lebens auch nicht überlisten", bekrittelt allerdings Christian Euler, Präsident des Österreichischen Hausärzteverbandes, den Plan des Ministeriums. "Die Erfahrung zeigt, dass eine Frau, die etwa im März noch als gesund gilt, bereits im Oktober ein Karzinom haben kann. Die Vorsorgeuntersuchung belegt also lediglich, dass bis jetzt kein Tumor gewachsen ist."
Ärzteschaft gespalten
Ob ein Tumor, egal ob groß oder klein, nach seiner Entfernung nachwachse, sei Schicksal. "Das, was der Mensch wirklich braucht, ist das Vertrauen in seine Gesundheit - durch die Panikmache, täglich die Brust abzutasten und ja recht oft zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen, werden Frauen nur verunsichert", sagt Euler und verweist auf die eigentlichen "großen Nutznießer" des Screenings: die Radiologen und Mammografiegeräte-Hersteller.
Bei den Geräten setzt auch die Kritik Eva Raskys von der MedUni Graz an: "Mehrere Geräte in Österreich sind veraltet, weshalb neun von zehn Brustkrebs-Diagnosen falscher Alarm sind." In Wahrheit gesunde Frauen würden dadurch enormem Stress ausgesetzt.
"Künftig wird pro Patientin von zwei Ärzten ein Doppelbefund erstellt, außerdem werden die Apparate in den Zentren nach genauen EU-Vorgaben eingestellt", kontert Stöger. Prinzipiell seien die Heilungschancen umso größer, je früher man Brustkrebs dia-gnostiziere, wie Ingrid Reischl, Obfrau der Wiener Gebietskrankenkassen, ergänzt. Die Niederlande lieferten den Beweis: Hier habe die Sterblichkeit bei den 55- bis 74-Jährigen 15 Jahre nach Einführung des Screening-Programms um 25,5 Prozent abgenommen.
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