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Ostertaufen nehmen zu

Von Fabian Kretschmer

Politik
Zu Ostern werden Konvertiten am liebsten getauft.
© © Rupprecht@kathbild.at

Die Osterzeit ist der beliebteste Termin zum Eintritt in die katholische Kirche.


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Wien. Ruben Angells Weg zur katholischen Kirche war ein langjähriger Prozess. Als er im September nach Österreich gezogen ist, beschloss er seinen "Glauben auch formal zu beschließen", sagt der 28-jährige Norweger, der nun den Masterstudiengang an der Diplomatischen Akademie besucht. Angell lässt sich am Ostersamstag taufen - wie die meisten erwachsenen Täuflinge: Er ist einer von 58 über 14 Jahre alten Personen in der Erzdiözese Wien. Der Großteil ist auch zwischen 20 und 30 Jahre alt - und ausländische Herkunft. Nur 17 sind gebürtige Österreicher.

Immer mehr Erwachsene treten hierzulande der katholischen Kirche bei. Waren es 2006 noch 254 Personen, so stieg ihre Zahl im Jahr 2011 auf 300. Seit zwei Jahrzehnten kommt der Großteil aus dem Ausland. In Vorarlberg war 2011 jeder der sechs Erwachsenentäuflinge zugereist, in Salzburg waren es 18 von 19, in Oberösterreich galt das für immerhin drei Viertel der Täuflinge. Nicht jede Diözese dokumentiert das Herkunftsland der Taufanwärter. Mehr als zwei Drittel dürften keine gebürtigen Österreicher sein.

"Die meisten von ihnen kommen aus europäischen Ländern, die vorher kommunistisch waren, allen voran Ostdeutschland und Tschechien", weiß Walter Krieger, Generalsekretär vom österreichischen Pastoralinstitut. In Ostblockändern mussten Gläubige teils mit starken Repressalien rechnen. Auch bei muslimisch geprägten Ländern gebe es eine Häufung erwachsener Taufanwärter. In der Türkei, dem Iran und Afghanistan geborene Immigranten konvertierten etwa regelmäßig zum Katholizismus. Genaue Zahlen hierzu möchte das Pastoralinstitut aus Respekt für die Täuflinge nicht veröffentlichen. Konvertiten fürchten oft um ihre Familienmitglieder im Heimatland. In Afghanistan etwa sei laut Pastoralinstitut einmal die Familie einer in Österreich getauften Afghanin ermordet worden.

In Norwegen ein Exot

Dass Angell in Österreich getauft wird, ist eher Zufall. Durch seine Eltern als Zeuge Jehovas aufgezogen, flüchtete er mit 17 Jahren aus seinem Elternhaus und kehrte jedem religiösen Glauben mehrere Jahre den Rücken. Erst in Philosophie-Kursen an der Universität, als auch spirituelle Fragen diskutiert wurden, befasste sich der gebürtige Trondheimer wieder mit Religion. Am meisten angesprochen fühlte er sich vom Katholizismus: "Die katholische Kirche ist sehr stabil und wechselt nicht ständig ihre Meinung. Während dies für viele in unserer modernen Gesellschaft eher irritierend ist, finde ich genau in dieser Stabilität Geborgenheit." In Norwegen, wo 82 Prozent der Bevölkerung der lutherischen Staatskirche angehören, bleibt Angell ein Exot. Der Katholizismus wird dort vor allem durch Migranten aus Osteuropa und Südostasien praktiziert.

Anders als Angell lernen viele Zuwanderer den christlichen Glauben erst in Österreich kennen. Der breite Zugang zu christlichen Gemeinden führt laut Krieger zum hohen Ausländeranteil bei Erwachsenentaufen. Auch der katholische Ehepartner könne zur Taufe ermuntern, vermutet er.

Auch Frank Femi Omere, gebürtiger Brite, hat seine Gemeinde durch seine Verlobte kennengelernt. Der christliche Glaube war nichts Neues für ihn: Omeres aus Nigeria stammende Familie ist seit über zehn Generationen überwiegend christlich, zu etwa gleichen Teilen protestantisch und katholisch. Der Anwalt, der seit Dezember in Österreich lebt, wollte sich erst als Erwachsener für oder gegen eine Taufe entscheiden. Dass er es nun mit 38 Jahren macht, überrascht ihn selbst ein wenig. "Eine Religion muss mich intellektuell und spirituell ansprechen. Als ich jünger war und in der Kirche saß, hat mich die Predigt oft nicht emotional getroffen." Im Zentrum seines Glaubens steht für ihn die persönliche Beziehung zu Gott. Doch die Gemeinschaft sei dabei essenziell: "Wir Menschen sind ja schließlich soziale Wesen", sagt Omere.

In vielen westeuropäischen Ländern sind Erwachsenentaufen noch üblicher. In Frankreich finden in den Ostertagen 2958 Erwachsenentaufen statt, die meisten sind zwischen 25 und 30 Jahre alt. Neben spirituellen Gründen erhoffen sich viele dadurch auch eine bessere Integration in die Gesellschaft. Dies treffe auf Österreich weniger zu. "Hier spielt die Religion als Integrationsfaktor keine große Rolle", meint Krieger. Auch bei Asylbewerbungen bringe die Religionszugehörigkeit keine Privilegien. Wer die oft mehrere Monate dauernde Taufvorbereitung durchläuft, tue dies meist aus spirituellen Gründen.