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Palastrevolution erfolgreich abgeschlossen, aber wo bleibt der Lohn?

Von Alexander U. Mathé

Analysen

Was wird eigentlich aus Gabriele Pauli? Die Entmachtung Edmund Stoibers war erfolgreich, der Kampf um die Nachfolge des CSU-Chefs ist voll entbrannt. Aber wie steht es um die Zukunft der Fürther Landesrätin Gabriele Pauli, die Stoiber den Stoß gab, der ihn den politischen Abhang hinunterstürzen ließ? Und in diesem Zusammenhang: Warum hat sich Pauli überhaupt mit dem bayrischen Landesfürsten angelegt?


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Gewiss ist es nicht angenehm, bespitzelt zu werden. Doch spräche die politische Räson eher dagegen als dafür, sich mit dem mächtigsten Mann der CSU und einem der mächtigsten Männer Deutschlands anzulegen. Zumal man als Landrätin der Nürnberger Vororte um Fürth nicht unbedingt zu den politischen Schwergewichten zählt; auch dann nicht, wenn man Mitglied des Parteivorstandes ist.

Sicherlich hat sich Pauli vom Sturz Stoibers einen gehörigen Vorteil erwartet. Nicht gerade unlogisch wäre es, so einen Schritt nur mit einer entsprechenden Hausmacht zu wagen. Denn wie sympathisch die Vorstellung ist, das Unternehmen als Ein-Frau-Armee zu bestreiten, sei dahingestellt.

Eine Möglichkeit wäre, dass Pauli die Speerspitze im dramatischen Königsmord war. Ein williges Werkzeug mächtiger Hintermänner. Jemand, der leicht abserviert wird, wenn die Aktion schief geht, aber im Erfolgsfall den Weg nach oben freigekämpft hat und selbst mit einer entsprechenden Belohnung rechnen darf.

Eine andere Möglichkeit ist, dass Pauli tatsächlich auf eigene Faust gehandelt hat. Schließlich reifte Stoiber seit seinem Doch-nicht-Eintritt in die deutsche Bundesregierung täglich mehr, um vom Baum geschnitten zu werden. Mit der Ankündigung, nach Berlin zu gehen, hatte Stoiber die Diadochen aus den Startlöchern geholt. Der darauf folgende Rückzieher dürfte so manchem nicht gepasst haben. Durchaus vorstellbar, dass auch Misstöne im CSU-Vorstand immer lauter wurden. Pauli könnte die Gunst der Stunde für ein gefährliches Vabanque-Spiel genutzt haben, das sie dann schließlich gewann.

Welche auch immer die Hintergründe der Palastrevolution gewesen sein mögen: Die Vorkämpferin erwartet sich jetzt ihren Lohn und hat bereits Interesse am stellvertretenden Parteivorsitz der CSU angekündigt. Doch ob sie diesen auch bekommt, steht auf einem anderen Blatt. Denn eigentlich stellt Pauli als relativ junge, alleinerziehende, freche, motorradfahrende Frau die bildhafte Antithese zur CSU-Führung dar (und hat es so wohl auch geschafft, das ehemals rote Fürth für die CSU zu gewinnen). Als Kämpferin ist sie wohl recht praktisch, aber ist sie das auch als Spitzenfunktionärin der Partei?

CSU-Generalsekretär Markus Söder sagte bereits: "Meine Stimme bekommt sie nicht." Staatsminister Thomas Goppel kündigte gar an, das Ansinnen Paulis zu verhindern und erntete dafür im Partei-Vorstand Applaus. Es scheint sich der Spruch zu bewahrheiten: "Man liebt den Verrat, aber nicht die Verräter."