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Palfinger-Kräne schwenken nach Russland und Asien

Von Hermann Sileitsch

Wirtschaft

Einstieg in Marine-Segment durch Kauf in den Niederlanden. | Ortner: "Wir haben staatlichen Stimulus nicht gesehen." | Salzburg/Wien. Wer sich auf mehrere Arme stützt, fällt weniger leicht um: Das gilt auch für den Kranspezialisten Palfinger. Die Salzburger hatten noch vor wenigen Jahren das Problem, fast zur Gänze von Europas Kernmärkten abhängig zu sein und bei Einbrüchen der Bau- oder Transportbranche unmittelbar mitzuleiden.


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Jetzt ist die Basis breiter, 25 Prozent des Umsatzes werden außerhalb Europas erzielt. Die letzten vier Zukäufe waren in Amerika. Nun sucht Palfinger die nächsten Ziele in Russland und Asien, sagt Vorstandschef Herbert Ortner im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". In Russland habe Palfinger 37 Vertriebspartner, jetzt sollte der Produktionseinstieg - idealerweise mit einer Akquisition - folgen.

Daneben stößt Palfinger in neue Segmente wie Marine vor: Seit Freitag gehören dem börsenotierten Kranhersteller 75 Prozent an Ned-Deck Marine (NDM): Die niederländische Firma stellt Krane für Rettungsboote her, erzielt mit 100 Mitarbeitern 20 Millionen Euro Umsatz. Palfinger bezahlte dafür "etwas mehr als 10 Millionen Euro".

Neues Werk in Vietnam

Überdies will Ortner schon im Herbst die Teilsparte Marinekrane von Palfinger systems übernehmen. Diese gehört bisher der Unternehmerfamilie Palfinger (die Familie ist auch Hauptaktionärin der börsenotierten Palfinger AG). In Summe würde ein Marine-Segment mit 50 Millionen Euro Umsatz entstehen: "Rettungs- und Marinekrane sind gut zu kombinieren: Man trifft oft dieselben Kunden und kann eine komplettere Produktpalette anbieten", so Ortner. Der Bau von Containerschiffen habe lange Vorlaufzeiten, womit sich ein anderer Konjunkturzyklus als bei Lkw-Kranen ergebe. Palfinger erhält durch Ned-Deck (neben seinem Werk im chinesischen Shenzhen) einen asiatischen Standort dazu, nämlich in Vietnam. "Ich schließe nicht aus, dass dieses Werk auch für unsere angestammte Produktpalette interessant sein kann."

Die Auftragslage ist gut, aus heutiger Sicht liege das (organische) Wachstum 2010 eher an der Obergrenze der prognostizierten 10 bis 15 Prozent. Über das vierte Quartal ist Ortner freilich völlig unschlüssig: "Auf diese Kurzfristigkeit müssen wir uns künftig einstellen."

Hilfreich war die Kurzarbeit, die zum Höhepunkt der Krise fast 700 von 1100 Mitarbeitern in Österreich betroffen hatte. Heute sei sie fast beendet und werde nach September wohl nicht verlängert. In Summe habe Palfinger 100 Stellen beim Stammpersonal gestrichen, obwohl die Auslastung zeitweise nur bei der Hälfte lag.

Einen Knick durch das Ende der staatlichen Konjunkturpakete im Bausektor erwartet Ortner nicht: "Die viel gepriesene staatliche Stützung haben wir so nicht erlebt, deshalb sehen wir auch den Einbruch nicht."