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Greenpeace ist empört über den Palmöl-Anteil im Diesel-Treibstoff.
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Kuala Lumpur/Straßburg. Kuala Lumpur ist in eine riesige Smog-Wolke gehüllt: Die 452 Meter hohen Petronas Twin Towers sind auch aus kurzer Distanz nicht zu erkennen. Den Rauch, der in den Sommermonaten den Einwohnern der malaysischen Hauptstadt die Sicht vernebelt, haben Monsunwinde von der indonesischen Insel Sumatra auf das Festland geweht. Hier wird durch Brandrodung Platz für Palmölplantagen gemacht und der Lebensraum von Orang-Utans und Tigern zerstört. Die EU fördert die Gewinnung des Biosprits - und das, obwohl kaum ein anderer Agrartreibstoff dem Klima mehr schadet als Palmöl.
Bis zu 60 Prozent Palmöl an Österreichs Tankstellen
Einen Tag, bevor Straßburg am Mittwoch über strengere Regeln für den Einsatz von Bio-Kraftstoffen abstimmt, veröffentlicht Greenpeace Zahlen von "skandalös hohen" Palmöl-Anteilen an österreichischen Zapfsäulen: "Alle Testergebnisse weisen einen hohen Anteil an Palmöl auf, teilweise bis zu 60 Prozent", so Markus Hammer von Greenpeace. Getestet wurden insgesamt sechs Tankstellen (OMV, Shell, BP, Eni und Jet) in Klagenfurt, Innsbruck und Wien.
Bei dem hohen Anteil liege der Verdacht nahe, dass es sich dabei um importiertes Palmöl handelt, das durch Urwaldabholzung gewonnen wurde. Zudem sei der Anteil so hoch, dass das Argument der Verwendung von Altspeisefetten kaum infrage komme, so die Umweltorganisation.
Palmöl wird vor allem in Indonesien und Malaysia produziert, bei der Rodung wird CO2 freigesetzt - dabei setzt man ja auf Biosprit, um diese zu reduzieren.
Um die tatsächliche CO2-Bilanz von Biosprit aufzuzeigen, fordern Umweltorganisationen, sogenannte indirekte Landnutzungsänderungen verbindlich einzubeziehen. Darüber und über die Deckelung des Biosprit-Anteils stimmt das EU-Parlament am Mittwoch ab. Straßburg will außerdem Anreize für Investitionen in die Herstellung klimafreundlicher Biokraftstoffe aus Abfällen der Algen schaffen.
Bei der Debatte um Biokraftstoffe geht es um mehr als Umweltschutz und Entwicklungspolitik: "In Deutschland suchen ganze Landkreise ihre Zukunft im Anbau von Energiepflanzen", schreibt die deutsche Wochenzeitung "Die Zeit".
2,4 Prozent Palmöl-Import schädigt Klimabilanz
Theoretisch schließen die Nachhaltigkeitskriterien der EU aus, dass für die Herstellung von Biodiesel woanders Wald gerodet wird. In der Praxis sieht es anders aus, und das wirkt sich nicht gerade positiv auf die Klimabilanz aus: Würden nur 2,4 Prozent des EU-Bedarfs an Biodiesel durch Palmöl gedeckt, wäre die gesamte Wirkung des EU-Biodiesels auf das Klima zunichte gemacht werden, heißt es in einer Studie des Internationalen Forschungsinstituts für Agrar- und Ernährungspolitik, die sie im Auftrag der EU erstellt hat. Die Wissenschafter gehen davon aus, dass die EU-Importe von Palmöl "wahrscheinlich deutlich über der kritischen Marke von 2,4 Prozent liegen".
Bereits im Juli hatte der Ausschuss der EU-Kommission Pläne zur Senkung der Biospritproduktion aus Lebensmittelpflanzen gebilligt. Biokraftstoff aus Nahrungspflanzen wie Raps oder Palmöl sollen nur noch 5,5 Prozent des Zehn-Prozent-Ziels der EU für erneuerbare Energien im Transportsektor ausmachen. Deutsche und Österreichs Bauern sind gegen diese Grenze und wollen eine Erhöhung auf 6,5 Prozent. Kein Wunder, macht doch Bio-Treibstoff einen Teil ihrer Agrarproduktion aus. Österreich ist bei der Herstellung von Biodiesel allerdings alles andere als autark: 2012 wurden 265.000 Tonnen in Österreich hergestellt und 175.000 Tonnen importiert, "und wo die herkommen weiß man nicht genau", sagt Hammer von Greenpeace. "Es ist schrecklich, dass der Import von Palmöl in Österreich erlaubt ist. Es muss dabei die Nachhaltigkeit geprüft werden", sagt Gerhard Moitzi von der Abteilung nachhaltige Agrarsysteme der Universität für Bodenkultur in Wien.
Nicht nur die Landwirte sind für die Erhöhung der Prozent-Grenze: Umweltminister Nikolaus Berlakovich forderte im Vorjahr eine Erhöhung. Nachdem die EU sich für eine Reduktion des umstrittenen Biosprits mit zehnprozentiger Ethanolbeimischung (E10) aussprach, ruderte er zurück. "Biotreibstoffe tragen zur Verminderung von schädlichen Treibhausgasen im Verkehr bei, jedoch müssen negative Umweltauswirkungen beziehungsweise negative soziale Auswirkungen durch die EU Biotreibstoffpolitik verhindert werden", heißt es aus dem Umweltministerium auf Anfrage.
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