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Pflanzen können ihren aktuellen Bedürfnissen entsprechend | unterschiedliche Arten von Insekten anlocken oder abwehren.
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Wien/Zürich. Gesunde Pflanzen sind offenbar fortpflanzungsfreudiger als jene, die von lästigen Schädlingen befallen sind. Entsprechend ihrer jeweiligen Lebenssituation können sie nämlich mit einer flexiblen Duftstoffintensität entweder Insekten anlocken oder sie abwehren. Für die meisten Pflanzen steht die Vermehrung im Vordergrund. Demzufolge senden sie ihre Duftstoffe in besonders guter Qualität und Intensität aus, um Insekten - etwa Bienen und Hummeln - anzulocken, die ihnen bei der Vermehrung unterstützend unter die Arme greifen.
Sind Pflanzen hingegen von Schädlingen befallen, verringern sie die Abgabe von Blütenduftstoffen und ziehen dadurch mehr nützliche Partnerinsekten für die Abwehr an, wie ein schweizerisch-italienisches Forscherteam unter der Leitung von Evolutionsbiologen der Universität Zürich im Fachblatt "New Phytologist" berichtet.
Ab April leuchtend gelb
Für ihre wissenschaftlichen Forschungen hat das Wissenschafterteam um Florian Schiestl von der Universität Zürich den Rübsen (Brassica rapa) herangezogen. Der auch Rübsamen genannte nahe Verwandte des Raps aus der Familie der Kreuzblütengewächse stammt aus dem Mittelmeerraum und wird mittlerweile auch in Österreich als Öl-, Gemüse- oder Futterpflanze angebaut. Zu blühen beginnt er für gewöhnlich ab April und färbt die Felder im Frühjahr in ein leuchtendes Gelb.
Die Reaktion des Rübsamens gestaltet sich nach dem Befall durch Fressinsekten ganz unterschiedlich, beobachteten die Wissenschafter. Wie sie zeigen, schränken die zum Beispiel durch Raupen oder Blattläuse befallenen Pflanzen ihren Blütenduft stark ein, um mit Duftsignalen aus den Blättern etwa Schlupfwespen anzuziehen.
Nützlinge wie eben die Schlupfwespen haben sich in den vergangenen Jahren als biologische Schädlingsbekämpfer einen Namen gemacht. Als Paradeparasit bringen sie mit ihrem Legestachel ihre Eier direkt in den zu bekämpfenden Wirt ein. Die geschlüpften und fressfreudigen Larven höhlen die Schädlinge schließlich von innen heraus aus.
Wie die Biologen skizzieren, können Blüten- und Blattduftstoffe ihre Attraktivität gegenseitig verringern. "Durch die Verringerung des Blütendufts verliert die Pflanze an Attraktivität für jene Insekten, die sie bestäuben; sie wird aber dadurch gleichzeitig für die Schlupfwespen attraktiver", erläutert Florian Schiestl in einer Mitteilung der Universität Zürich den Mechanismus.
Nach dem Befall mit Fressinsekten und dem Anlocken der Wespen produzieren die Pflanzen dann wiederum mehr Blüten, um deren geringere Attraktivität zu kompensieren und damit erneut bestäubende Insekten anzuziehen. "Blütendüfte stehen somit in einem komplexen Spannungsfeld mit anderen Duftstoffen, die ebenfalls für die Pflanze nützliche Insekten anlocken", erläutert Schiestl.
Der Biologe geht davon aus, dass die neuen Resultate seiner jüngsten Forschungen für den biologischen Anbau von Nutzpflanzen relevant werden können: "Man könnte versuchen, mit wenig duftenden Sorten die Anlockung von Schlupfwespen zu optimieren, und mit stark duftenden Sorten die Anlockung von Bestäubern."

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