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Paris will Indien AKW verkaufen

Von WZ-Korrespondent Wolfgang Tucek

Europaarchiv

Sarkozy: Atomkraft für Klimaschutz nötig. | Marseille/Brüssel. (wot) Je größer der wirtschaftliche Aufschwung in Indien, desto interessanter wird das Land für die EU: Der Handel mit Europa solle innerhalb der nächsten fünf Jahre auf 100 Milliarden Euro pro Jahr verdoppelt werden, verkündete der indische Premier Manmohan Singh am Montag nach einem Gipfeltreffen mit dem französischen Präsidenten und derzeitigen EU-Vorsitzenden Nicolas Sarkozy. Der erklärte, dass so rasch wie möglich die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen gestartet werden sollen und ließ durchblicken, dass er Indien als hervorragenden Absatzmarkt für zivile Nukleartechnik aus Frankreich betrachtet. Niemand könne schließlich von den Indern verlangen, zur Rettung des Weltklimas maßgeblich beizutragen, wenn sie nicht über die "sauberste Form der Energiegewinnung" überhaupt verfügten, die Atomkraft.


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Bereits heute, Dienstag, sollen offenbar konkrete Verträge über eine "enge Zusammenarbeit" in Paris abgeschlossen werden. Das ist etwas heikel, weil Delhi den internationalen Vertrag zur Nichtverbreitung von Nukleartechnologie bisher nicht unterschrieben hat. Doch er vertraue Indien und seinem Premier, sagte Sarkozy. Auch der US-Kongress arbeitet gerade an einem neuen Gesetz über die Kooperation am Atomtechnologiesektor mit Indien. Erst vor kurzem hatte die Nuclear Suppliers Group, der Zusammenschluss der Brennmaterialhersteller, grünes Licht für Lieferungen nach Indien gegeben. Bereits unterschrieben wurde die Teilnahme Indiens am Iter-Projekt zur Erforschung der Kernfusion. Weniger konstruktiv verhielt sich Singh erwartungsgemäß bei der Verpflichtung auf langfristige Ziele zur CO2-Reduktion, wie die EU das gerne hätte.