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Pariser Schwenk in der Iran-Politik

Von Arian Faal

Politik

Mottakis zur Afghanistan-Konferenz eingeladen. | Positive Signale der Perser an USA. | Paris/Teheran. Kehrtwende in der Iran-Politik: Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner hat seinen iranischen Amtskollegen Manouchehr Mottaki überraschenderweise eingeladen, die Lage im Nahen Osten sowie die bilateralen Beziehungen zu erörtern.


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In einem Telefongespräch bot er Mottaki Verhandlungen über den Ausbau der iranisch-französischen Beziehungen und über die Lösung regionaler Probleme, darunter in Afghanistan, Libanon und Palästina, an. Und damit nicht genug: Paris setzte gleich auch einen ersten Schritt und ersuchte Mottaki offiziell, an einer für 14. Dezember in Paris geplanten internationalen Afghanistan-Konferenz teilzunehmen. Dieses Treffen wollen hochrangige französische Persönlichkeiten nutzen, um mit den Persern direkt zu sprechen.

Die Beziehungen zwischen Frankreich und dem Iran hatten sich nach dem Machtantritt von Präsident Nicolas Sarkozy spürbar verschlechtert. Doch seit sich mit Barack Obama in den USA ein moderaterer Kurs gegenüber Teheran anbahnt, ist Paris offenbar zum Schwenk bereit - auch wenn das Misstrauen bezüglich Irans Atomprogramm groß bleibt.

"Wir sind über diesen Schwenk der französischen Außenpolitik sehr positiv überrascht", hieß es auf Anfrage der "Wiener Zeitung" aus dem iranischen Außenministerium. Nachsatz: "Auch Paris hat erkannt, dass es ohne Teheran eben nicht geht." Tatsächlich ist die Einladung an die Perser ein Indiz dafür, dass die Europäer Mottaki nach einer Periode von mehr als einem Jahr, in denen sie sie bei vielen Treffen geschnitten haben, nun wieder als gern gesehenen Gast ansehen.

Positive Signale kamen am Donnerstag nicht nur aus Paris: Auch Irans Ex-Präsident Ali Hashemi-Rafsanjani sorgte für großes Aufsehen, als er ankündigte, dass sein Land sich mit dem Erzfeind USA keine weitere Konfrontation wünsche. Er erwarte von Washington jedoch eine Korrektur seiner Iran-Politik: "Wir wollen keinen Krieg mit den USA, sondern nur fest auf beiden Beinen stehen und als Vorbild für Unabhängigkeit und Freiheit in der Region dienen."