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Party mit Wählern, chillen mit Freunden

Von Wolfgang Zaunbauer

Politik

Grüner Jugendkandidat Julian Schmid tourt durch Österreich, immer den Massen nach.


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Wien. Rockfestival im Burgenland, Hip-Hop-Konzert in Wien, Volksfest in Kärnten oder Frühlingsmesse in Vorarlberg - Julian Schmid trifft man derzeit überall dort, wo viele Leute sind. Genauer gesagt: viele junge Leute. Das ist seine Zielgruppe, die will er erreichen, die sucht er in ganz Österreich. Schmid ist Jugendkandidat der Grünen und hat ein erklärtes Ziel: "Wir wollen die Nummer eins bei den Jungen werden."

Bei der Nationalratswahl 2008 lagen die Grünen bei den 16- bis 18-jährigen Jungwählern nur auf Platz drei hinter ÖVP und FPÖ. Das soll sich am 29. September ändern - und dafür nimmt Schmid die Strapazen einer sechswöchigen Wahlkampftour auf sich. Dabei geht der 24-jährige gebürtige Kärntner vor allem dorthin, "wo viele Leute sind", wie er der "Wiener Zeitung" sagt.

Nur selten geht es dabei so ruhig zu wie beim "Chillen mit Julian" am Montagnachmittag im Wiener Alois-Drasche-Park. Hier im vierten Bezirk hat Schmid, als er zum Politikwissenschaftsstudium nach Wien kam, seine neue politische Heimat gefunden. Hier sitzt er seit 2010 im Bezirksrat. Und hier kann er an diesem Nachmittag etwas die Seele baumeln lassen, denn diesmal geht es nicht um Stimmenfang.

Man kennt sich im Bezirk

Auf den grünen Sonnenstühlen haben sich an diesem schon etwas frischen Nachmittag vor allem jene niedergelassen, die ohnehin grün-affin sind. Das trifft auf zwei Schülerinnen ebenso zu wie auf zwei ältere Herren. Die einen sind gekommen, weil eine Mutter bei den Grünen mitarbeitet, die anderen, weil es auf dem Heimweg liegt. Man kennt sich, bei den Grünen im Bezirk. Darum geht es Schmid auch: die Bekannten wieder einmal zu treffen, gemütlich Zeit mit ihnen zu verbringen - chillen eben. Für den Stimmenfang schmeißt er sich dann wieder ins Partygetümmel.

Der jüngste männliche Abgeordnete aller Zeiten

Mit 24 könnte Julian Schmid, der auf der grünen Bundesliste auf Platz acht kandidiert, der jüngste männliche Nationalrat aller Zeiten werden. Diesen Rekord hält bis heute Othmar Karas, der seinerzeit mit 26 ein Mandat schaffte - das war 1983. Sollte er den Einzug schaffen, will Julian Schmid den "Mief" in der heimischen Politik bekämpfen, etwa im Bereich Bildung.

Auf Stimmenfang mit "Bravo"-Imitat

Auf Stimmenfang gehen die jungen Grünen unter anderem mit 200.000 Exemplaren von "eva - Das Grüne Mädchenmagazin. Auch für Jungs." Das Heft auf Recyclingpapier will die Jungwähler etwa mit einem "Coolness-Check" über Julian Schmid, oder "Was du schon immer über Eva Glawischnig wissen wolltest", Öko-Kondom-Tests und Nagellack-Tipps an die Wahlurnen locken. In sozialen Medien wurde allerdings stark bezweifelt, ob die 16- bis 18-jährige Zielgruppe ein "Bravo"-mäßiges Magazin anspringt.

Schmid hat daran keinen Zweifel: Nach einer ersten Verteilaktion zog er das zufriedene Fazit: "Ist super angekommen."