)
Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 10 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.
Die deutschen öffentlich-rechtlichen Sender haben offenbar etwas gegen Erfolgsformate. Nachdem nach langem Siechtum und allerlei falschen Entscheidungen rund um den einst unzerstörbaren Quotenbringer "Wetten dass..?" dieses Samstagabend-Schlachtross vom ZDF erlegt worden war, machte sich die ARD nun an das nächste Opfer. Es hieß einst "Musikantenstadl" und stand seit Jahrzehnten im Mittelpunkt der schunkelnden Zuschauergunst.
Dann beschloss man, das Format brauche eine Verjüngung, der 54-jährige Methusalem-Moderator Andy Borg musste gehen, der Showname auch: Der "Musikantenstadl" wurde zur "Stadl-Show", am Samstag war Premiere. Das Logo ist mit einem schnöselig verfremdeten Edelweiß verziert, das Publikum musste unter Schwarzwälder Bollenhüten zu "Let me entertain you" paschen. Die Tontechnik war einer Show dieses Ausmaßes nicht einmal ansatzweise würdig, das Moderatorenduo wirkte so wie die Katalog-Sitzlandschaft von der Familie Lutz inmitten der Bierzeltbänke - kläglich orientierungslos. Ganz offensichtlich glaubte man, nur weil es nun saisonale Dirndl-Ausgaben der einschlägigen Lifestylemagazine gibt und weil eine Helene Fischer auch die Feuilletons beschäftigt (hat), dass sich die Volksmusik-Community verändert hat. Das hat sie nicht. Die desaströsen Quoten der "Stadl-Show" zeigen es: Die erwünschten hippen Seher gab es nicht und die angestammten interessierte das Ganze nicht. Vom Niveau einer solchen Sendung kann man halten, was man will. Aber eine erfolgreiche Marke so mutwillig in die Palliativtherapie zu schicken, ist schon eine bemerkenswerte Taktik.

)
)
)