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Paschtunen bestimmen Kabuls Zukunft

Von Tom Heneghan

Politik

Islamabad - Nach dem Beginn der Luftangriffe der USA in Afghanistan stellt sich die Frage nach der politischen Zukunft des seit Jahrzehnten in Kriege und Konflikte verwickelten Landes brennender denn je. Mit ihren Raketen wollen die USA die Machtbasen des radikal-islamischen Taliban-Regimes zerstören. Doch die Frage, wie lange sich die Taliban noch an der Macht halten können und ob nach ihrem Sturz Chaos ausbricht oder ein konfliktfreier Wechsel möglich ist, wird von der traditionell in Afghanistan dominierenden Volksgruppe der Paschtunen abhängen.


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Eine neue Regierung muss sich nach Meinung von Afghanistan-Experten daher mehrheitlich aus Paschtunen zusammensetzen, um sich halten zu können.

Als Hoffnungsträger für eine konfliktfreie Zukunft Afghanistans wird oft der frühere König Zahir Schah genannt. Experten zufolge muss die Bewegung um den 86-Jährigen den Paschtunen aber eine glaubwürdige Alternative zu den Taliban anbieten, um ihre Unterstützung zu gewinnen. "Man muss den (Paschtunen-)Stämmen einen Anreiz geben. Sie werden nicht einfach im Namen des Islam die Fronten wechseln", sagte Syed Fida Younis, der lange Zeit als hoher Diplomat für Pakistan in der afghanischen Hauptstadt Kabul gearbeitet hat. Die Taliban, die ebenfalls den Paschtunen angehören, wurden Younis zufolge von diesen bisher als Bollwerk gegen die ethnischen Minderheiten im Norden des Landes geduldet.

Nach Younis' Einschätzung sollten die USA versuchen, einen Keil in die regierenden Taliban zu treiben und sie damit zu spalten. Die Bewegung setzt sich Experten zufolge aus mindestens drei Gruppen zusammen, die auseinanderfallen könnten, sollte der Druck auf sie weiter zunehmen. Die größte Gruppe bilden die "afghanischen Taliban". Dabei handelt es sich um Paschtun-Stammesführer, die sich den Taliban unmittelbar nach deren Machtübernahme 1996 angeschlossen haben. Daneben gibt es rund 10.000 "ausländische Taliban" - aus Pakistan, Tschetschenien und den Philippinen. Sie sind in den Lagern von Osama bin Laden für den "Heiligen Krieg" gegen den Westen ausgebildet worden. Die dritte Gruppe bilden die Vertreter eines besonders radikalen Kurses um den geistigen Führer Mullah Mohammad Omar. Als potenzielle Überläufer kommen nur die "afghanischen Taliban" in Frage.