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Pause - und die Welt dreht sich trotzdem weiter

Von Rosa Eder-Kornfeld

Wirtschaft
Auch wenn der Job noch so wichtig ist, sind Pausen unverzichtbar. Foto: bbox

Kurze Auszeiten steigern die Leistungsfähigkeit. | Pausen sind Freizeit, nicht Arbeitszeit. | Wien. Ein Kaffee, ein Snack, ein Tratscherl mit Kollegen oder ein kurzer Spaziergang im nahen Park - Pausen dienen im Arbeitsalltag dazu, die Batterien wieder aufzuladen. Auf sie zu verzichten, wäre unklug, da der menschliche Körper nicht auf Dauerbetrieb ausgelegt ist, meinen Arbeitspsychologen. | Nicht warten bis der Rücken schmerzt


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Dazu kommt noch, dass die ständige Erreichbarkeit über E-Mail und Handy, die für viele Arbeitnehmer schon selbstverständlich geworden ist, ebenfalls Stress erzeugt. Aber auch aus arbeitsrechtlicher Sicht können Pausen nicht einfach ignoriert werden.

Wer mehr als sechs Stunden pro Tag arbeitet, hat laut Gesetz Anspruch auf eine halbe Stunde Pause. Für Jugendliche und Nachtschwerarbeiter gibt es Sonderregelungen.

Pausen stellen keine Arbeitszeit dar, sondern Freizeit und werden daher auch nicht bezahlt. Wer aber glaubt, auf die Pause verzichten und dafür früher heimgehen zu können, irrt. "Wenn jemand sechs Stunden arbeitet und dann nach Hause geht, ist das vom Arbeitszeitgesetz (AZG) her gedeckt. Wenn die Arbeitszeit jedoch 6,25 Stunden beträgt, muss der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin spätestens nach sechs Stunden die 30-minütige Pause machen und darf daher erst nach 6,75 Stunden nach Hause gehen", erklärt Wolfgang Höfle, Unternehmensberater und Leiter des Kompetenz Centers "Sozial-, Arbeitsrecht, Lohnsteuer" von TPA Horwath. Ein "Verzicht" auf die Pause wäre unzulässig. Nach dem Arbeitszeitgesetz darf die Pause auch zweimal 15 Minuten oder dreimal 10 Minuten dauern.

Die Mailbox tuts eine Zeitlang auch

Die Gestaltung der Pause kann beliebig erfolgen, das heißt auch, dass man für den Arbeitgeber nicht erreichbar sein muss, das Handy ausschalten kann oder das klingelnde Telefon und die einlangenden E-Mails ignorieren kann - die Welt wird sich trotzdem weiterdrehen. In manchen Betrieben ist es sogar möglich, in einem Ruheraum ein kurzes Mittagsschläfchen einzulegen. Studien belegen, dass dieses "Power Napping", das in Asien längst zum Alltag gehört, die Leistungsfähigkeit deutlich steigert.

Wenn es der Vorgesetzte erlaubt, darf man in der Pause auch das Betriebsgebäude verlassen und zum Beispiel eine Runde joggen oder Inline-Skaten gehen.

Wie ist die rechtliche Lage, wenn der Arbeitgeber die Mitarbeiter gegen ihren Willen länger auf Pause schicken will, etwa weil der Betrieb wegen des schwachen Kundenverkehrs über Mittag eine oder mehrere Stunden geschlossen bleibt? Höfle erläutert: "Die einseitige Vorschreibung von Pausen durch den Arbeitgeber ist nicht ohne weiteres möglich. Will der Arbeitgeber solche Arbeitszeiten - bei längeren Pausen wird das auch geteilter Dienst genannt -, müsste er dies bereits im Arbeitsvertrag mit dem Arbeitnehmer vereinbaren bzw. sich diese Möglichkeit offen halten."

Im laufenden Arbeitsverhältnis könne der Arbeitgeber geänderte Pausen nur unter Einhaltung des § 19c AZG vornehmen - dabei komme es unter anderem zu einer Interessenabwägung zwischen den betrieblichen Notwendigkeiten und den berücksichtigungswürdigen Interessen des Arbeitnehmers, etwa wenn dieser ein Kind vom Kindergarten abholen müsse.