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Pausen steigern die Leistungsfähigkeit

Von Peter Kantor

Wirtschaft

Was sich bei Top-Unternehmen in angloamerikanischen Ländern schon lange durchgesetzt hat, ist in Österreich kaum anerkannt: Kurzpausen am Arbeitsplatz sind notwendig, erfrischend und steigern die Leistungsfähigkeit. Studien und Arbeitspsychologen zeigen auf, wann, wie lange und auf welche Art Pausen am effizientesten sind.


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"Jeder weiß, dass Augen nach langem, ununterbrochenem Sitzen am Bildschirm müde und trocken werden, das Kreuz zu schmerzen beginnt und die Halsmuskulatur sich verspannt", sagt die Arbeitspsychologin Theresia Gabriel im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Dennoch gönnen sich viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer keine Pause, versuchen - vergeblich - Müdigkeit und Schmerzen zu übertauchen.

Gabriel hat sich im Rahmen einer Recherche für Worklab, einem der größten arbeitsmedizinischen Einrichtungen Österreichs, umfassend mit Pausen beschäftigt und insgesamt 22 relevante Studien und Fachbeiträge zum Thema berücksichtigt. "Kurze Pausen am Arbeitsplatz sind überaus sinnvoll", so Gabriel in ihrem Resümee. Sie steigern die Leistungsfähigkeit und halten gesund.

Um Arbeitsbelastungen auszugleichen, müssen in den Arbeitsverlauf Erholzeiten in Form von Pausen eingeplant werden. "Nur auf diese Weise kann der durch Ermüdung eintretende Verlust an Leistungsfähigkeit, vor allem die Abnahme der Konzentration, ausgeglichen werden", meint Gabriel. Auch kann Ermüdung schon im Vorfeld durch ein zweckmäßiges Pausensystem vorgebeugt werden.

Unstrukturierte und getarnte Pausen zeigen einen geringeren Erholungseffekt als organisierte Pausen, die sinnvoller und gezielt geplant sind. Das Hauptproblem dabei sei, dass selbstgewählte Pausen in der Regel zu spät, seltener und länger als günstig erfolgen, zitiert Gabriel Studien (Richter & Hacker, 1998; Ulich, 1998). Eine Lösung, um an Pausen erinnert zu werden, bieten Biofeedback-Meßgeräte, wie sie etwa die Firma Comesa unter der Marke "iSense" vertreibt.

Das leicht zu bedienende Gerät mit einer sogenannten "Entspannungs-Software" wird direkt an den Computer angeschlossen. Ein Fingersensor misst, wie stark man gerade unter Strom stehen, den sogenannten Stresslevel. Am Bildschirm kann mitverfolgt werden, wie die Spannungskurve sinkt und man wird erinnert, dass eine Pause nötig wäre.

"Soweit man nicht selbst am besten weiß, wie man am schnellsten wieder zur Ruhe kommt, bieten wir eine Reihe von Übungen an, wie man innerhalb kurzer Zeit Stress abbauen kann", erklärt Gabriel und zeigt sich mittlerweile von den Vorteilen von Biofeedback-Geräten überzeugt (Preis für "iSense": rund 300 Euro). In der Regel brauche man zum Stressabbau nicht mehr als fünf Minuten und das steigere nicht nur das allgemeine Befinden, sondern beuge damit auch vielen stressbedingten Krankheiten vor.

Aufräumen möchte Gabriel auch mit der vielfach etablierten Meinung in Unternehmen, dass Pausen einen Zeitverlust darstellen. Ausnahmslos alle Studien stellen klar, dass die Arbeit aufgrund geringerer Ermüdung in schnellerem Tempo erfolge, meint die Arbeitspsychologin und wendet sich damit vor allem an das Management. Diese Kultur müsse von der Unternehmensführung kommuniziert und implementiert werden - ohne Angst vor Missbrauch.

Der Stress am Arbeitsplatz nimmt nach übereinstimmender Aussage von Psychologen und Soziologen aktuell immer noch zu. "Die Mitarbeiter in Unternehmen haben das Gefühl, dem Chef und den Mitarbeitern Fleiß und Arbeitseinsatz ohne Pause demonstrieren zu müssen", erklärt Gabriel. Nur eine Änderung der Kultur im Unternehmen könne zu einem Umdenken führen.

Kurzpausen mit Unterstützung von Biofeedback-Geräten sieht Gabriel als eine Alternative zum vielzitierten "Powernapping". Bei dieser Form der Pause schlafen Mitarbeiter während der Arbeitszeit rund 15-20 Minuten in einem eigenen Schlafraum.

Grundsätzlich müssen Arbeits- und Erholungszeit im richtigen Verhältnis zueinander stehen: Die Erholung - ähnlich der Ermüdung - nimmt nicht linear zu, sondern findet besonders zu Beginn einer Pause statt und nimmt mit zunehmender Zeitdauer der Pause ab. Die ersten Abschnitte einer Erholungsphase sind damit erholungswirksamer als die späteren.

Vier Eckpunkte rund um Pausengestaltung haben sich für Gabriel im Zuge ihrer Recherche herauskristallisiert:

1. Mehrere kurze Pausen sind effektiver als wenige längere Pausen gleicher Gesamtlänge.

2. Zu lange Pausen erschweren das Zurückfinden in den Arbeitsprozess.

3. Insgesamt sollte man eine individualisierte, auf die spezifische Beanspruchungssituation abgestimmte Arbeitszeit- und Pausenregelung anstreben.

4. Pausen mit aktiver Entspannung haben einen höheren Erholungswert als passive Pausen.

Information:

http://www.worklab.at

http://www.isense.at