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China, Südkorea, Taiwan und Japan sind sich nicht grün, kooperieren aber gegen Nordkoreas Atomwaffentests
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Tokio. "Japan hat kein gutes Image im Ausland", sagte eine 15-jährige japanische Mittelschülerin und meinte damit die Nachbarn in Asien, Nord- und Südkorea, Taiwan und China. Sie lebt in Rikuzentakata, einer Kleinstadt, die der Jahrhundert-Tsunami am 11. März 2011 fast vollständig verschlang. Dort gibt es kaum Arbeitsplätze, viele Menschen leben weiter in Übergangswohnungen. Trotzdem könne sie sich nicht vorstellen, aus ihrer ländlichen Heimatprovinz Iwate in die Hauptstadt Tokyo zu gehen, geschweige denn ins Ausland. Wovor habe sie am meisten Angst? "Vor China", sagt sie ohne Zögern.
Japans Konflikte mit seinen asiatischen Nachbarn, die sich seit April 2012 mit China, seit August 2012 mit Südkorea intensiviert haben, sind seit Monaten das Top-Thema in den heimischen Medien. Ein Ende scheint nicht in Sicht, auch wenn sich seit Demonstrationen in China im Sommer, bei denen japanische Fabriken und Geschäfte zerstört wurden, die Lage etwas beruhigt hat. Doch seit Monaten kreuzen fast täglich chinesische Schiffe in den Gewässern um die Senkaku-Inseln, die China Diaoyu nennt und die beide Länder beanspruchen. Chinesische Flugzeuge drangen in den japanischen Luftraum ein, sehr zum Ärger der Regierung, die gegenüber Peking protestierte. Diese wiederum wies den Protest mit Hinweis auf ihre Besitzansprüche zurück. Auch Taiwan schickte Schiffe, um seinen Anspruch zu demonstrieren.
Im Vergleich dazu sind die Beziehungen zwischen Japan und Südkorea zwar weiter angespannt, doch derzeit weniger explosiv. Nach dem für Japan provokanten Besuch von Präsident Lee Myung-bak im August auf der Insel Takeshima, die Koreaner als Dokdo kennen, gab es zwar Anstrengungen, den Konflikt vor dem Internationalen Gerichtshof auszufechten. Doch inzwischen bemüht sich der japanische Premierminister Shinzo Abe, der seit einem Monat im Amt ist, die Wogen zu glätten - vielleicht auch, weil er nicht an zwei Fronten kämpfen möchte. Seine Liberaldemokratische Partei wolle darauf verzichten, den "Takeshima-Tag" am 22. Februar zu unterstützen. Dabei war dies eines ihrer Wahlkampfversprechen.
Abe betont gerne seine patriotische Gesinnung. In einer Grundsatzrede am 29. Januar appellierte er an die Bürger, gemeinsam Japan wieder stark zu machen. Für Abe gehört dazu auch, die Selbstverteidigungskräften durch eine Verfassungsänderung zu einer vollwertigen Armee aufzuwerten - was vor allem China ein Dorn im Auge wäre.
Signale der Annäherung
Doch aktuell mehren sich die Zeichen einer Annäherung. Im japanischen Fernsehen regte Abe Anfang der Woche ein Gipfeltreffen an, in seiner Grundsatzrede sprach er nur allgemein davon, die Sicherheit abgelegener Inseln sicherzustellen. Namen nannte er nicht. Dies honorierte ein hochrangiger Vertreter von Chinas kommunistischer Partei gegenüber der Zeitung "Asahi Shimbun".
Die scheidende US-Außenministerin Hillary Clinton versicherte Tokio, dass Washington hinter Japan steht: Dies bedeutet auch, dass Japan auf die USA zählen kann, mit denen es seit 1960 einen Sicherheitsvertrag hat.
Uichiro Niwa, Ex-Botschafter Japans in China, sagte vor ausländischen Journalisten am 28. Januar, es gebe - auch wegen der engen wirtschaftlichen Beziehungen - nur eine Möglichkeit: den Konflikt abkühlen zu lassen. "Wenn wir verheiratet wären, könnten wir uns scheiden lassen. Aber in diesem Falle geht das nicht."
Allen bilateralen Konflikten zum Trotz sind sich Südkorea, Taiwan, China und Japan in einem Punkt einig: Sie wollen Nordkorea in die Schranken weisen. Angesichts drohender Sanktionen durch die UNO nach dem Raketentest im Dezember stellt das Land auf stur. Diktator Kim Jong-un sagte, man müsse das "revolutionäre Erbe" - gemeint sind Atomwaffen - bewahren und weiter zum Leuchten bringen. Das japanische Fernsehen sah darin die Ankündigung eines dritten Atomwaffentests. Ein solcher Test würde vor allem Südkorea und Japan gefährden, sagte der Korea-Experte Tadashi Kimiya von der Universität Tokio der "Wiener Zeitung". Falls Nordkorea darauf verzichte, sei eine Wiederannäherung der beiden koreanischen Länder "in sechs bis zwölf Monaten" vorstellbar.
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