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Peking umwirbt die Südamerikaner

Von WZ-Korrespondentin Regine Reibling

Politik

Premier Li Keqiang zeigt sich bei seiner Tour d’Horizon spendabel: 53 Milliarden Dollar investiert China alleine in Brasilien.


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Quito/Rio de Janeiro. (ce) Das Projekt der Transozeanischen Eisenbahn vom Atlantik zum Pazifik erhält neuen Auftrieb. Die Bahnstrecke soll den Handel zwischen Lateinamerika und China vereinfachen. Rund 5300 Kilometer Gleise, die nördlich von Rio de Janeiro beginnen, sollen brasilianische Bergwerksregionen und Agrargebiete durchqueren, die peruanische Grenze erreichen, das Amazonasgebiet queren, die Anden überwinden, bis sie ihren Zielhafen am Pazifik erreichen.

Es ist ein Megaprojekt, das Chinas Premier Li Keqiang auf seiner Lateinamerika-Reise, das ihn neben Brasilien auch nach Chile, Peru und Kolumbien führt, in dieser Woche auf den Weg bringen will. Noch befindet sich das Projekt im Anfangsstadium, eine Machbarkeitsstudie wurde in Auftrag gegeben. Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff betonte bei dem Treffen mit Li in Brasilia aber schon einmal die wirtschaftliche Bedeutung: "Es öffnet sich ein neuer Weg nach Asien." Auch für Peking liegen die Vorteile auf der Hand. Die Bahnverbindung soll den Transport von Rohstoffen aus Brasilien und Peru, vor allem Sojabohnen, Getreide, Erze sowie Kupfer, schneller und billiger machen.

China will seinen Einfluss in Lateinamerika ausbauen. Das hatte Präsident Xi Jinping bereits im Jänner beim Gipfel mit der Gemeinschaft lateinamerikanischer und karibischer Staaten (Celac) deutlich gemacht: In den nächsten zehn Jahren will man 250 Milliarden Dollar investieren.

Dementsprechend spendabel zeigte sich Premier Li in Brasilia. Er und Rousseff unterzeichneten Kooperationsverträge in Höhe von mehr als 53 Milliarden Dollar. China investiert vor allem in Infrastruktur, den Ausbau von Häfen, Flughäfen und Straßen, was der Regierung gut ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro gerade recht kommt.

Brasilien droht eine Rezession

Zudem soll die kriselnde Wirtschaft angekurbelt werden. Die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas könnte nach Angaben des Internationalen Währungsfonds in diesem Jahr in die Rezession rutschen. Hinzu kommt der Korruptionsskandal um den halbstaatlichen Ölkonzern Petrobras. Auch hier springt China ein und stellt sieben Milliarden Dollar zur Verfügung. China ist in Brasilien seit 2009 Handelspartner Nummer eins. Auch in Peru und Chile haben die Asiaten die USA als größten Handelspartner überholt.

Der sogenannte China-Boom bleibt aber nicht ohne Folgen. Die aktuelle Studie "China in Lateinamerika. Lektionen für eine nachhaltige Entwicklung", bei der unter anderem die Boston University mitgearbeitet hat, nimmt die Folgen der Rohstoffausbeutung für die Umwelt und soziale Konflikte in den Blick. Auch die geplante Transozeanische Eisenbahn ruft Kritik hervor. NGOs warnen bereits vor den Gefahren für den Regenwald und dort lebende Ureinwohner.