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Pendler - "Bevölkerung, die am falschen Platz wohnt"

Von Christian Rösner

Politik

Verkehrsexperte Knoflacher für radikale Lösung des Pendlerproblems.


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Wien. Wiens Bürgermeister Michael Häupl und Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll versprechen, mehr Park&Ride-Anlagen für die Pendler zur Verfügung zu stellen. Auf gemeinsamen Flächen wird gemeinsam investiert.

Das hält man für dringend notwendig, weil die Ausweitung des Parkpickerls in Wien dazu führt, dass die Pendler lieber am Stadtrand bzw. außerhalb der Stadt parken. Außerdem können nun mit der Bahn bestimmte Strecken schneller als mit dem Auto zurückgelegt werden. Sofern man nicht wie derzeit in St. Pölten ewig um den Bahnhof kurven muss, weil die dortige P&R-Anlage bereits ab 8 Uhr Früh überfüllt ist.

Und doch handelt es sich hier nur um eine Symptombehandlung, die die Problematik auf Dauer nur verstärken wird, meint TU-Verkehrsexperte Helmut Knoflacher, der sich gerade als Vortragender für das Indian Institute of Technology in Neu Delhi befindet.

"Wiener Zeitung": Herr Knoflacher, was wäre die ideale Lösung für die derzeitige Pendlersituation?

Hermann Knoflacher: Das Pendlerwesen ist ein Unwesen, ein Missstand. Durch den Finanzausgleich bekommen die Gemeinden vom Bund je nach Bevölkerungszahl Geld. Das heißt, die Gemeinden sind bestrebt, die Bevölkerungszahl zu steigern und sonst gar nichts.

Das bedeutet was?

Die Gemeinden bieten günstige Baugründe an und locken damit die Menschen aus der Stadt, und die werden dann zu Pendlern. Und weil sich die Menschen diesen Luxus geleistet haben, wollen sie von der Öffentlichkeit Unterstützung. Auch die Firmen nehmen bei Standortentscheidungen keine Rücksicht mehr auf die Wohnsituation der Bevölkerung, weil es für sie ebenfalls so am günstigsten ist. Und auch sie erwarten dann von der Öffentlichkeit, dass sie die nötige Infrastruktur bereitstellt bzw. für billige Arbeitskräfte sorgt.

Was wäre Ihrer Meinung nach dann die Lösung?

Den Pendlern und den Firmen sollten die Kosten aufgelastet werden. Derzeit geschieht genau das Gegenteil - wir führen die Leute weiter in die Irre: Wenn man einen Missstand finanziell unterstützt, vergrößert man ihn.

Aber ist es nicht das Ziel, die Menschen dazu zu bewegen, auf die Öffis umzusteigen, anstatt sie dafür zu bestrafen?

Das ist eine Sekundärmaßnahme und daher nur eine Symptombehandlung. Es ist nicht die falsche Richtung, aber sicherlich auch keine Ursachenbekämpfung.

Und eine Ursachenbekämpfung wäre es, die Pendler zur Kasse zu bitten?

Wir subventionieren die technischen Verkehrsmittel in einem übergroßen Ausmaß. Wenn man jemanden belohnen will, sollten es die Fußgänger und die Radfahrer sein.

Das klingt sehr utopisch. Was würde dann passieren?

Die Menschen würden sich ihre Jobs woanders suchen, die Firmen würden ihre Standorte verlegen. Es gäbe viel mehr kleine Firmen, es gäbe viel mehr lokale Betriebe - und es würde wieder eine Rücksiedelung in die Stadt beginnen. Wir haben heute eine exportierte Stadt. Das ist nicht mehr Land, sondern städtische Bevölkerung, die am falschen Platz wohnt.