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Personalisten: Rekrutierer oder Kummerkasten?

Von Sophia Freynschlag

Wirtschaft

Eigen- und Fremdbild von HR-Managern klaffen auseinander. | Idealer Personalist soll keine 08/15-Fragen stellen. | Wien. Was die wichtigste Aufgabe einer Personalabteilung ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Während 28 Prozent der Arbeitnehmer und Arbeitsuchenden das Rekrutieren an erster Stelle der Tätigkeiten einer Personalabteilung setzen, verstehen nur 13 Prozent der Human Resources (HR)-Mitarbeiter dies als ihre wichtigste Aufgabe. Die Personalisten sehen überwiegend die Personalentwicklung als ihre wichtigste Tätigkeit.


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Dies ist das Ergebnis einer Manpower-Umfrage unter 358 Personalisten sowie 331 Arbeitnehmern und Arbeitsuchenden.

"Personalisten unterscheiden 24 Kernaufgaben", sagt Manpower-Chef Erich Pichorner, "nicht in der Personalabteilung Beschäftigte kennen nur zehn Funktionen, die sie von Human Resources erwarten."

Am dritthäufigsten nennen beide Gruppen Mitarbeiterberatung als Kernaufgabe der Personalabteilung. "HR-Manager sind der Kummerkasten in der Firma, beraten in arbeitsrechtlichen Belangen und vermitteln bei Konflikten", fasst Manpower-Pressesprecherin Andrea Lehky die Servicetätigkeiten zusammen.

Korrekte Entlohnung

Für zwölf Prozent der Arbeitnehmer und Arbeitsuchenden ist eine korrekte Entlohnung die wichtigste Aufgabe der Personalabteilung. Hier erwarten sich die Befragten ein transparentes Gehaltsschema und eine exakte Abrechnung. Bei den Personalisten kommt das Thema Entlohnung hingegen nur auf Platz 13.

Erstaunlich ist für Lehky, dass nur sechs Prozent der Personalisten strategische Personalarbeit als ihre wichtigste Aufgabe angeben. "Denn gerade dann, wenn die Auftragslage einbricht, braucht die Firma einen Masterplan für ihre Personalarbeit", so Lehky. HR-Abteilungen sollten etwa einen langfristigen Plan zur Senkung der Personalkosten erarbeiten, statt nur auf Anweisungen von oberster Ebene zu reagieren. Wenn sich die Auftragslage wieder bessert, würden sonst Mitarbeiter fehlen. "Personalisten sollten ein aktiver Treiber im Unternehmen sein."

Bei Kündigungen müsste die Personalabteilung etwa aktiv beeinflussen, welche Mitarbeiter im Betrieb gehalten werden müssen und welche am ehesten austauschbar sind.

Ersticken im Papierkram

Für diese strategische Aufgaben können sich HR-Manager nur schwer freispielen, sagt Lehky: "Wenn Personalisten laufend Listen und Reportings liefern müssen, ersticken sie in administrativen Aufgaben."

Überraschend ist, dass nur ein Prozent der Personalisten "Mitarbeiter kündigen" als wichtigste Aufgabe nennen. "Dabei ist ein wertschätzender Umgang mit Gekündigten sehr wichtig", sagt Lehky. Die Expertin warnt Unternehmen, sich im Streit von einem Mitarbeiter zu trennen: "Wenn ehemalige Mitarbeiter schlecht über ihren früheren Arbeitgeber reden, kann das der Firma gehörig schaden." Dann würden auch Personalmarketingmaßnahmen nichts nutzen.

Auch die Funktion eines "Querdenkers" sollten Personalisten wahrnehmen. "Wenn alle auf einer Linie arbeiten, muss einer im Unternehmen die Schwachstellen aufzeigen, meinte einer der befragten HR-Manager", so Lehky.

Der ideale HR-Manager sollte nach Meinung der Arbeitnehmer und Arbeitsuchenden neben Fachkenntnissen auch Einfühlungsvermögen mitbringen. Auch Vertrauenswürdigkeit und Diskretion werden erwartet.

Einige der Befragten haben anscheinend negative persönliche Erfahrungen mit Personalisten gemacht, meint Lehky: "Bei den idealen Eigenschaften merkt man leise Kritik an den Personalabteilungen." So wird etwa erwartet, dass Personalisten im Bewerbungsgespräch keine 08/15-Fragen stellen und auf Bewerbungen zeitnah antworten.