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Personalkarussell in Brüssel

Von Wolfgang Tucek

Analysen

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Walter Grahammer (56) kommt nach Wien zurück, und wird ab Jänner Chef der einflussreichen EU-Sektion im Außenministerium. Damit bleibt Grahammer - noch stellvertretender EU-Botschafter - einem Bereich treu, in dem er in den letzten fünf Jahren ausführliche Expertise sammelte. Er ist jetzt weniger für das unmittelbare Tagesgeschäft, sondern mehr für den strategischen Blick zuständig. Nach Brüssel wird er weiter mindestens einmal im Monat reisen, als Begleiter der Delegation von Außenminister Michael Spindelegger, für den er die Vorbereitung der Themen organisiert.

Damit ist der Vorarlberger fast am Karriere-Zenit angelangt, darüber angesiedelt gibt es kaum mehr Jobs. In Frage kommt maximal die Nachfolge des jetzigen EU-Botschafters Hans-Dietmar Schweisgut, dessen Normalmandat bis ins Frühjahr 2011 reicht. Der Tiroler ist dann erst 60, kaum einer kann sich vorstellen, dass er in Pension gehen möchte. Schweisguts Vorgänger Gregor Woschnagg war zwar rund siebeneinhalb Jahre in Brüssel, das galt als außergewöhnlich langes Mandat. Schweisguts Mandat müsste noch länger dauern, um ihm bis in den Ruhestand zu begleiten.

Für Schweisgut einen angemessenen anderen Job zu finden wird schwierig. Nach dem EU-Botschafter gäbe es den Generalsekretär des Außenamtes als weiteren Karriereschritt. Damit wäre er der höchste Beamte des Ministeriums, quasi die Nummer 2 nach dem Außenminister. Ob Schweisgut, der seit Jahren nicht mehr direkt in einem Ministerium gearbeitet hat, das will, ist fraglich. Schon eher könnte er sich einen Botschafterposten im neuen Europäischen Auswärtigen Dienst suchen, der ab Frühjahr 2010 aufgebaut wird.

Dass Grahammer also 2011 oder 2012 als Chef der EU-Botschaft wiederkehrt, ist gut vorstellbar. Das hängt davon ab, welche politische Färbung sein Nachfolger hat, der bis gestern, Donnerstag, noch nicht bekannt war.