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Personelle Konsequenzen bei Bawag?

Von Veronika Gasser

Wirtschaft

Turbulente Stimmung bei Bawag-Aufsichtsratssitzung. | Verzetnisch fordert personelle Konsequenzen.


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Wien. Der Druck auf die Bawag seit dem Auffliegen des Refco-Debakels wächst. Sie ist größter Gläubiger des mittlerweile insolventen US-Brokers. Bankeninsider wissen, dass schon seit Jahren über die windigen Finanzgeschäfte von Refco-Chef Phillip Bennett gemunkelt wurde. Die Bawag-Führung wollte aber offenbar nicht daran glauben und verhalf ihm noch zu seinem letzten großen Coup. Die Frage steht im Raum, ob dabei nicht wider besseren Wissens vorgegangen wurde. Denn laut dem "Wall Street Journal" war schon seit 7. Oktober klar, dass Bennett die Bilanzen seines Unternehmens manipuliert hatte. Die Frage steht im Raum, ob niemand in der Bawag diesen Bericht konnte, oder ob der umstrittene Kredit doch vorher vergeben wurde.

ÖGB-Chef Fritz Verzetinitsch als Eigentümervertreter will nach wie vor davon ausgehen, dass alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Jedoch stellte er am Donnerstag klar: "Ich habe kein Problem, wenn Missstände aufgezeigt werden, mich von Personen zu verabschieden." Vor der eilig einberufenen Sonderaufsichtsratssitzung, die um 16:00 Uhr begann, mehrten sich kritische Stimmen aus dem Kontrollgremium, wonach dieses nicht über den 425-Millionen-Euro-Kredit informiert gewesen sei. Einige sprachen sogar von "freihändiger Vergabe" des Vorstandes.

Laut einem Bericht des "Kurier" gilt es als sicher, dass Aufsichtsratspräsident und ÖGB-Finanzchef Günter Weninger sein Amt in der Bawag zurücklegen wird - ob jetzt oder zur Bilanzvorstellung im Frühjahr 2006 war laut Blatt noch offen.

Außerdem sollen sowohl Generaldirektor Johann Zwettler als auch der für das Auslandsgeschäft zuständige Christian Büttner ihre Demission vorgeschlagen haben. Wie die Aufsichtsräte entschieden, war bei Redaktiionsschluss (18:30 Uhr) noch unklar.

Anonyme Anzeigen

gegen Führung

Wieviel der achtköpfige-Bawag-Vorstand von den Turbulenzen um Refco wusste, wird derzeit von der Finanzmarktaufsicht geprüft. Generaldirektor Johann Zwettler wird nicht müde zu betonen, dass er nichts von den Schwierigkeiten seines langjährigen Geschäftspartners Bennett wusste. Er will deshalb gerichtlich gegen den mutmaßlichen Bilanzfälscher vorgehen, der über Jahre hinweg die Schulden von Refco in einer anderen Firma parkte. Doch auch der Bawag könnten noch rechtliche Konsequenzen drohen, sollten andere Gläubiger versuchen sich an ihr schadlos zu halten. Vielleicht sieht sich deshalb Zwettler viel lieber als Refco-Aktionär, denn als Gläubiger. "Wir haben den Kredit über 350 Millionen an eine Holding vergeben, die im Einflussbereich von Herrn Bennett stand. Nach unserem Verständnis sind wir Gläubiger der Holding des Herrn Bennett und haben dafür seine Aktien an der operativen Refco als Sicherheit", meint er.

Außerdem wollen auch Gewerkschafter und Bawag-angestellte nicht mehr länger zusehen. Die Wellen schlagen hoch. Angeblich erwägt eine Gruppe aufgebrachter Angestellter in Wien anonyme Anzeigen beziehungsweise Sachverhaltsdarstellungen gegen den amtierenden Vorstand und Aufsichtsrat der Gewerkschaftsbank einzubringen. Die Begründung soll auf den Verdacht grober Fahrlässigkeit bei der Kreditvergabe an die Pleite gegangene Refco-Gruppe lauten.

Refco-Chef hat

rechtzeitig abkassiert

Am Donnerstag wurde zusätzlich bekannt, dass der verhaftete Ex-Refco-Vorstand Bennett, sowie sein Vorgänger Tone Grant noch rechtzeitig vor dem Kollaps von Thomas H. Lee, dem heute größten Refco-Aktionär - vor dem Börsegang im August 2004 - mehr als eine Mrd. Dollar für die Mehrheitsanteile des Wertpapierhauses kassiert haben, dies berichtet die "New York Times".

Diese Zahlung gilt als anfechtbar. Starke Anschuldigungen kommen von Vizekanzler Hubert Gorbach. Er unterstellt, dass mit der Gewährung des Kredits dem US-Investment-Haus eine Gefälligkeit geleistet wurde. Darüber hinaus will er wissen, ob die Aufsichtsräte in die "in einer Blitzaktion gewährte Kreditvergabe" eingebunden waren oder nicht und ob "die Vorgehensweise dem österreichischen Bankengesetz widerspricht".

Die Häme der politischen Gegner ist der roten Gewerkschaftsbank jedenfalls noch länger gewiss.