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Philosophische Machtanalyse

Von David Axmann

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Während der Fußballfan am Mittwochabend angesichts der ersten Spiele in der neuen Champions-League-Saison wieder einmal darüber nachdenken konnte, wie sehr die Geldgier den Sportsgeist korrumpiert, hatte der philosophische Gedankenfreund die Gelegenheit, im "Salzburger Nachtstudio" auf Ö1 mehr oder minder wissenschaftliche Darstellungen und Deutungen der "Kanäle der Macht" kennen zu lernen.

Diesem Thema nämlich war das diesjährige (wie immer von Konrad Paul Liessmann einberufene) "Philosophicum Lech" gewidmet; schon dessen Teilnehmerliste zeigte, wie weit verzweigt diese Kanäle sind, reichte sie doch von Politik- und Sozialwissenschaftern über Soziologen und Kunsthistorikern bis zu Staatssekretär Franz Morak und Andreas Rudas, Sprecher der Magna Steyr AG.

Was da am Arlberg über die "Herrschaft und Freiheit im Medienzeitalter" zur Sprache gebracht und diskutiert wurde, war zum Großteil weder neu noch originell; dass die Medien Macht haben und die Mächtigen sich der Medien bedienen, ist unbestritten, dass die Mächtigen je wirksam kontrolliert werden könnten, zweifelhaft. So waren denn jene Referate am aufschlussreichsten, in denen analysiert wurde, was auf den Kanälen der Macht transportiert wird: Meinungen, Absichten, Urteile, Vorurteile, vor allem aber Bilder, Bilder, Bilder. Was soll man dagegen tun? Nicht verzagen. Wiewohl unsere Welt von den Kräften des sich ständig erneuernden, global vernetzten Fortschrittsdenkens dominiert wird, herrscht in ihr doch immer noch die Macht der Gewohnheit auch.