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Pierer verabschiedet sich mit Rekordgewinn

Von Helmut Dité, München

Wirtschaft

Der Siemens-Konzern hat im Geschäftsjahr 2003/04 (per 30. 9.) den Gewinn nach Steuern um 39% auf 3,405 Mrd. Euro gesteigert. Bereinigt um Sondereffekte - wie den Verkauf von Infineon-Aktien - gab es eine Steigerung um 23% auf 3,002 Mrd. Euro. 430.000 Mitarbeiter erwirtschafteten einen Umsatz von 75,2 Mrd. Euro. Die Dividende soll von 1,10 auf 1,25 Euro steigen.


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Nein, abergläubisch ist er nicht, seine 13. - und letzte - Bilanzpressekonferenz macht ihn "nicht nervöser als sonst". Aber es ist schon ein wenig ein "Gefühl der Wehmut" dabei, sagt Siemens-Chef Heinrich von Pierer.

Mit der Hauptversammlung vom 21. Jänner wird der 63-Jährige "den schönsten Job, den die deutsche Wirtschaft zu vergeben hat", an den bisherigen Chef von Siemens USA, Klaus Kleinfeld (46) übergeben und als Vorsitzender in den Siemens-Aufsichtsrat wechseln. Aus dem Aufsichtsrat bei Siemens Österreich wird er ausscheiden. Seinen Abschied schmückt "Mister Siemens" mit einem hervorragenden Resultat, obwohl es im Bereich Transportation Systems und "Communications" massive Verluste und Rückstellungserfordernisse von insgesamt mehr als 600 Mio. Euro gab.

In 10 der 13 Geschäftsfelder hat Siemens das Ergebnis verbessert. Zu den Spitzenverdienern gehörten die Bereiche Medizintechnik, Automation & Drives, VDO Automotive und Power Generation. Rote Zahlen schrieb Siemens wieder im Handy-Geschäft, obwohl man die Zahl der verkauften Handys um 30% auf 51 Mio. Stück gesteigert und zuletzt wieder Marktanteile gewonnen hat.

Bei Gelegenheit zuschlagen

Insgesamt sieht Pierer "ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr" und weist auf den Cash Flow hin: "Ein positiver Geldsaldo von 3,3 Mrd. Euro, ich meine, das ist schon bemerkenswert". Sogar eine Sonderdotierung für die Pensionskasse in Höhe von 1,5 Mrd. Euro ist drin, die restliche Deckungslücke dort kann damit halbiert werden. Pierer hat kein Problem damit, dass ihm öfter vorgeworfen wird, auf einer gut gefüllten Kriegskasse - kolportiert werden immer wieder so um die 13 Mrd. Euro - zu sitzen, statt das Geld für Akquisitionen zu verwenden: "Ich habe noch nie gehört, dass ein Unternehmen in Schwierigkeiten gekommen ist, weil es zu viel Geld hat". Und wenn sich Gelegenheiten ergeben, wird man zuschlagen - so wie jetzt bei VA Tech.

Für das laufende Jahr macht Siemens keine Gewinnprognose. Weiteres Wachstum sei jedenfalls angesagt: Schließlich habe man im abgelaufenen Geschäftsjahr um gut 8% mehr Aufträge im Wert von 80,830 Mrd. Euro verzeichnet. Wachstum also - aber vorwiegend im Ausland, denn in Deutschland "kommt die Konjunktur nicht wirklich aus den Startlöchern". Hoffnungsgebiete sind die USA - "der größte Elektromarkt der Welt" -, Europas Osten, Russland, aber vor allem Asien, und dort insbesondere China. "Da kommt Freude auf", sagt Pierer. 11% des Umsatzes macht Siemens mittlerweile in Asien, gut die Hälfte davon in China - mit steilen Zuwachsraten. Das Mittagessen nach seiner letzten Bilanzpräsentation verbringt Pierer im Münchner Hotel Bayerpost daher auch am Tisch der chinesischen Kollegen. Dort prasseln schließlich mehr Blitzlichter als Fragen auf ihn ein - geduldig lässt er sich der Reihe nach Arm in Arm mit jedem Journalisten fotografieren und versichert: "Im Jänner komme ich noch einmal mit meinem Nachfolger nach China. Ihr werdet sehen, es geht alles gut weiter". Mitglied im internationalen Beraterstab des Bürgermeisters von Shanghai wird er wohl weiterhin bleiben.