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Pingpongspiel um FWF

Von Christian Müller und Andreas Kuthan

Wissen

Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Wolfgang Mantl, plädiert in der Diskussion um eine mögliche Integration des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) in die geplante Forschungs-Gesellschaft, "niemanden zu zwingen". Knut Consemüller, Vorsitzender des Rats für Forschung und Technologieentwicklung (RFT), sprach sich dagegen bei einem von der APA organisierten Round-Table-Gespräch mit Mantl - bei dem es zum ersten Zusammentreffen der beiden Rats-Chefs kam - erneut für die Eingliederung des FWF aus, der Fonds könne auch in einer Gesellschaft unabhängig bleiben.


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Die Regierung plant, Förderorganisationen im Bereich der wirtschaftsnahen Forschung wie den Forschungsförderungsfonds für die gewerbliche Wirtschaft (FFF) in einer Gesellschaft zusammenzuführen. Der FWF war in diesen Plänen vorerst explizit ausgenommen, in den letzten Wochen haben sich allerdings die Stimmen gemehrt, die den primär Grundlagenforschung an den Universitäten fördernden Fonds in die Gesellschaft integriert sehen wollen. Ein Gesetzesentwurf für die Forschungs-GmbH wird in den nächsten Wochen erwartet.

Der Chef des im Zuge des neuen Universitätsgesetzes beim Bildungsministerium eingerichteten zwölfköpfigen Wissenschaftsrats, der sich vor allem auf das Uni- und Wissenschaftssystem konzentrieren soll, meint, dass es noch nie etwas gebracht habe, Leute in eine Konstruktion zu zwingen, die sie nicht akzeptieren. "Es muss der Fonds selbst der Überzeugung sein, dass er so oder so am besten arbeiten kann", plädiert Mantl dafür, "die Selbstinterpretation des FWF und seine historische Erfahrung sehr ernst zu nehmen". Man müsse auch die "wie in einem Kristall zusammengepresste Sorge der Geistes-, Sozial-, Rechts-, Wirtschafts- und Kulturwissenschaften, neben der Technologie unterzugehen, ernst nehmen".

Für Consemüller geht es nicht "um dies oder das, sondern um das Gemeinsame". Beide Fonds (FFF und FWF) hätten die gleiche Zielsetzung: "Die Republik voranzubringen und Ergebnisse und Produkte zu produzieren, die auch in einer Friedensordnung für Mazedonien bestehen können, nicht nur in einem neuen Laser". Wenn aber der FFF in die Gesellschaft gehe und der FWF draußen bleibe, habe der RFT die Sorge, dass die Förderlücke zwischen den beiden Bereichen größer statt kleiner werde. Im Rat hätten diese Sorge weniger die Leute aus der Wirtschaft geäußert, sondern jene aus der Grundlagenforschung.

"Wir wollen nicht eine Subsummierung unter ein Dach mit einer zusätzlichen Entscheidungsebene, wir wollen ein Höchstmaß an Freiheit und Planungssicherheit beim Budget", sagte der RFT-Chef. Die Unabhängigkeit des FWF müsse gewahrt bleiben, so wie auch der FFF bei seiner Förderung von Bottom-Up-Anträgen unabhängig sein müsse, "da darf nicht von oben eine Geschäftsführung hineinreden". Dies sei auch machbar, "es gibt im GmbH-Gesetz die Möglichkeit, Weisungsbefugnisse einfach wegzustreichen und zu sagen, in den Punkten der Bottom-Up-Forschung kann nicht hineingeredet werden".

Die Gesellschaft dürfe auch nicht hunderte Leute haben, sondern müsse mit wenigen auskommen, forderte Consemüller. Und dem Aufsichtsrat, dessen "vornehmste Aufgabe" es sei, die Geschäftsführung zu berufen oder abzuberufen, dürfe man diese Kompetenz nicht nehmen. Das führe, wie man bei der Austria Wirtschaft Service GmbH (AWS) sehe, zu Streitigkeiten. Infrastrukturminister Hubert Gorbach (F) hätte als 50-Prozent-Eigentümer der Gesellschaft (die andere Hälfte liegt bei Wirtschaftsminister Martin Bartenstein) "ohnedies alle Rechte dieser Welt, die ein Eigentümer haben muss".

Consemüller dementierte, dass der Rat eine Deckelung des FWF-Budgets empfohlen hat. "Der frühere FWF-Präsident Arnold Schmidt hat immer gesagt, wenn er einmal ein Basisbudget von 100 Mio. Euro habe, könne der Fonds seine notwendigen Aufgaben erfüllen, viel mehr Budget könne er mit seiner Struktur gar nicht ordentlich managen. Und dieses Budget steht dem FWF seit zwei Jahren zur Verfügung." Darüber hinaus könnten aber noch "erhebliche Mittel" für ein Thema dazu kommen: Translational Research, also die Übertragung von Grundlagen- auf angewandte Forschung. "Wir wollen keine Deckelung, aber nur Bottom Up ist nicht gesund für ein Land, es muss auch Akzente Top Down geben", so Consemüller.

Der RFT-Chef zeigt sich auch zunehmend verärgert über FWF-Präsident Georg Wick, der in den vergangenen Wochen die aus seiner Sicht zu geringe Dotierung des Fonds und die Pläne zur Integration in die Gesellschaft kritisiert hat. Dessen Argumentation in der Öffentlichkeit sei zwar aus menschlicher Sicht verständlich - aus der Sorge heraus, "nicht genug vom Kuchen zu bekommen". "Es wird aber zunehmend unverzeihlicher, dass er so tut, als ob es Gegensätze, ein Gegeneinander, ein Entweder-Oder gibt, nein es geht um das Optimum." Wolfgang Mantl sieht den Konflikt dagegen positiver, "man könnte auch sagen, die Wissenschaft lebt, sie bewegt sich doch". Nichts sei "grauslicher als eine Grabesstille einer übertriebenen Konkordanz-Kultur, wir neigen in Österreich dazu, dass wir den Kompromiss noch vor dem Konflikt sehen." Für Mantl sind dies Entwicklungen in einem "aufregenden Umstellungsprozess".

Schmidt dementiert

Univ.-Prof. Dr. Arnold Schmidt hat Consemüllers Behauptung hinsichtlich seiner angeblichen 100 Mio.-Aussage (siehe oben) dementiert: "Eine derartige Äußerung habe ich sicher nie gemacht", so der vormalige FWF-Langzeitpräsident in einem Mail an Consemüller. Die APA hatte Consemüller richtig zitiert, doch auf welche Quelle sich dieser bezog, hat er bisher - soweit bekannt - nicht wissen lassen.