Plagiatsaffären bilden nur die Spitze des Eisbergs

Von Piotr Snuszka

Recht
Piotr Snuszka ist Geschäftsführer der Ghostwriter-Agentur BAS Business And Science GmbH.
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Die Unis winken wahrscheinlich tausende Plagiate jährlich durch.


Immer wieder stolpern Politiker über Plagiatsaffären. Doch diese bilden nur die Spitze des Eisbergs. 99 Prozent der Plagiate werden nicht aufgedeckt, weil bei Personen außerhalb des öffentlichen Lebens kein Interesse besteht, ein Plagiat aufzudecken.

Grundsätzlich werden Haus- und Seminararbeiten von Universitäten einer Plagiatsprüfung nicht unterzogen. Viele Studierende sind sich dessen bewusst und nutzen diese Schwachstelle aus. Zwar werden Bachelor- und Masterarbeiten mittels Software auf Plagiate geprüft, allerdings kann diese nur einfache Plagiatsarten aufdecken. Sie erkennt keine Übersetzungsplagiate oder Strukturplagiate.

Haus-, Seminar-, Bachelor- und Masterarbeiten müssen - anders als Dissertationen - nicht veröffentlicht werden. Haus- und Seminararbeiten werden zwar nach Abgabe der Abschlussarbeit im Universitätsarchiv gespeichert, allerdings sind sie für die Öffentlichkeit unzugänglich. Würden die Universitäten gesetzlich zu einem öffentlichen Zugang zum Archiv der Abschlussarbeiten verpflichtet, könnte jede Abschlussarbeit detaillierter und jederzeit geprüft werden. Wenn noch Haus- und Seminararbeiten auch archiviert und frei zugänglich wären, würde dies eine Lawine an Plagiatsaffären auslösen. Die Universitäten sind sich dessen bewusst und reden sich mit Datenschutz und steigenden Kosten heraus, um von der Inkompetenz abzulenken.

Für einen verdeckten Test hat die Ghostwriting-Agentur Business And Science eine Musterarbeit erstellt, die auf einer Abschlussarbeit basierte (Strukturplagiat), die bereits an einer Hochschule in Saarbrücken eingereicht worden war. Mit Verweis auf die konkrete Abschlussarbeit wurde der Plagiatsverdacht der Hochschule gemeldet. Diese hat eine Prüfung nur mittels einer Software durchgeführt und dabei keine plagiierten Stellen gefunden. Bei einer manuellen Prüfung wäre das Plagiat sofort aufgefallen. Der Plagiatsbericht war nicht einsehbar, und der Kontakt zur Prüfungskommission, die nur aus einer unbekannten Person bestand, wurde verwehrt.

Anstatt sich der Problematik zu widmen, versuchen Universitäten und Hochschulen, mit einem unwirksamen Ghostwriting-Verbot von den eigenen Problemen abzulenken, obwohl die eingereichten Ghostwriting-Arbeiten im Promillebereich liegen sollten. Trotz des Verbots bieten weiterhin selbst in Österreich ansässige Unternehmen auf ihren Internetseiten offensichtliches Ghostwriting an, und die fehlenden Strafen lassen nur eine Schlussfolgerung zu: Bis auf einen medienwirksamen Aktionismus hat das Verbot keine Auswirkung in der Praxis. Die jahrelang investierte Energie in dieses Verbot hätte man besser für die Verbesserung der Transparenz und der Kontrollinstanzen sowie die Betreuung von Studierenden verwenden können - Maßnahmen, die Wirkung zeigen würden.

Mit ChatGPT kommt nun ein immens großes Problem auf Unis zu, da von Künstlicher Intelligenz erstellte Arbeiten durch Plagiatssoftwares derzeit nicht erfasst werden können. Zwar wurde die Nutzung von KI von vielen Bildungseinrichtungen bereits verboten, doch auch dieses Verbot wird wirkungslos sein. Statt der Verbotskultur bedarf es einer transparenten Datenlage, die auch eine universitätsunabhängige Prüfung erlaubt. Diese Maßnahme würde zwingend zu einer Qualitätssteigerung sowohl bei den Studierenden als auch bei den Bildungseinrichtungen führen.

Solange die Prüfungen an Universitäten und Hochschulen bei Menschen außerhalb des öffentlichen Lebens so intransparent und unprofessionell verlaufen und die Arbeiten unzugänglich sind, werden viele Plagiate unentdeckt bleiben. Somit stehen Universitäten und Hochschulen vor einigen großen Herausforderungen, zu denen sie noch keine Lösungen gefunden haben.