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Pleite von Blue Chip Energy könnte mit Debakel enden

Von Kid Möchel

Wirtschaft

Potenzielle Käufer müssen sich vor allem mit der RLB Burgenland einigen. | Güssing verliert weiteren Betrieb für Alternativenergie.


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Güssing. „Wir sollten alle so werden wie Güssing”, frohlockte der frühere kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger Ende Juni beim UN-Energieforum in Wien. Doch seit der 78-Millionen-Euro-Pleite der Güssinger Solarfabrik Blue Chip Energy, die 110 Arbeitsplätze vernichtete, ist der Ausspruch Makulatur. Gestern, Dienstag, wurde über Blue Chip Energy das Insolvenzverfahren eröffnet.

„Am Innovationsstandort Güssing blättert der Lack ab”, sagt Gerhard Weinhofer, Insolvenzexperte der Creditreform. Denn: Blue Chip ist nicht die erste Alternativenergie-Pleite vor Ort. Im Herbst 2008 ging die Biodiesel Produktions GmbH bankrott, deren Produktionsanlagen zwei Jahre zuvor in die Slowakei verfrachtet wurden. Und im Vorjahr mussten die Kraftwerke Güssing die Gesellschaftsanteile der insolventen CTU Planungs GmbH übernehmen, die eine Holz-Erdgas-Forschungsanlage betrieb. Zuvor war deren Schweizer Mutter CTU Conzepte Technik Umwelt AG pleitegegangen.

Zukunft fraglich

In Sachen Blue Chip wurden seit längerem Interessenten gesucht, doch bisher ist daraus nichts geworden. Die Assets der bankrotten Solarzellenfabrik bestehen hauptsächlich aus den modernen Anlagen (Buchwert: 32,42 Millionen Euro), die aber verpfändet sind.

„Ich denke, das läuft auf eine Liquidation hinaus”, sagt Wolfgang Hrobar vom Alpenländischen Kreditorenverband (AKV). „Ich glaube nicht an den Sanierungsplan.” Laut Insolvenzantrag soll die 20-Prozent-Quote vom Käufer berappt werden. „Es werden derzeit intensive Investorengespräche geführt und es sind die Chancen durchaus gegeben, dass von dritter Seite der Sanierungsplan erfüllt wird”, heißt es im Antrag wörtlich. Laut Hrobar könnte einem Investor der „Sanierungsplan” egal sein, er müsse sich den Kauf der Assets nur „mit der Raiffeisenlandesbank Burgenland ausschnapsen”. Denn an die Bank, die eine Forderung von rund 20 Millionen Euro hat, sind die Betriebsliegenschaft und der Maschinenpark verpfändet. Hrobar: „Die RLB Burgenland wird dabei bluten müssen.” Unklar ist, was unter dem Strich für die Bank herauskommen wird.

Hohe Förderungen

Unternehmen wie Blue Chip seien durch hohe Förderungen nach Güssing gelockt worden, kritisieren Insider. So hat der Betriebsansiedler Wirtschaftsservice Burgenland AG (WiBAG) der im Jahr 2006 gegründeten Blue Chip Energy Millionen-Förderungen gewährt, deren fünfjährige Laufzeit vor kurzem endete. In den Blue Chip-Büchern werden Investitionszuschüsse mit 10,45 Millionen Euro angeführt. Hrobar: „Blue Chip Energy hat fünf Jahre sukzessive Schulden aufgebaut.”