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Plüschtiere waren einmal

Von Christina Böck

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Es ist ein Phänomen, das wohl erstmals nach dem Attentat auf John F. Kennedy aufgetaucht ist. Die immer mehr Menschen erreichenden Massenmedien trugen das ihre dazu bei: Der moderne Mensch trauert gern im Kollektiv um andere Menschen, die er nie persönlich kennengelernt hat. Die er im Höchstfall im Kino oder im Fernsehen gesehen hat oder bei einem Konzert. Kaum etwas ist seltsamerweise verbindender als der Tod eines berühmten Menschen. Früher äußerte sich das in abgelegten Plüschtieren und Blumensträußen - wer erinnert sich nicht, wie die Queen mit lauer Anteilnahme durch ein der verunglückten Ex-Schwiegertochter Diana gewidmetes Blumenmeer pflügte. Heute begnügt man sich oft mit Lippenbekenntnissen auf Sozialen Medien. Manchmal aber geschieht es, dass Einzelne eine kreative Idee zur Trauerbewältigung haben und damit andere anspornen. So etwas ist in New York passiert, wo eine herzerwärmende Guerilla-Aktion zu Ehren der verstorbenen Soulsängerin Aretha Franklin Schlagzeilen macht. In der U-Bahnstation Franklin Street haben Straßenkünstler jedes verfügbare "Franklin" mit einer "Aretha" in unterschiedlichen Schriftbildern ergänzt - und so die Haltestelle zur Aretha Franklin Street gemacht. Aufkleber mit "Say A Little Prayer for Aretha" und "R-E-S-P-E-C-T" wurden auch angebracht. Schade, dass diese so berührende, weil so einfache Geste in Kürze nicht mehr zu sehen sein wird, weil ja auch in der New Yorker U-Bahn Zucht und Ordnung herrschen muss.