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Poker mit Dubai um Landerechte

Von Sophia Freynschlag

Wirtschaft

Emirates will 13 statt 7 Wien-Flüge. | AUA fürchtet um Langstrecke und um Drehkreuz Wien.


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Wien. Die Verhandlungen für die Winterflugpläne von AUA und Emirates in Dubai ließen sich im Normalfall in wenigen Stunden erledigen. Doch diesmal sind die Gespräche in Dubai für zwei Tage angesetzt und stocken. Am Donnerstag sollten sie zu Ende gehen. Dahinter steckt ein seit längerem schwelender Konflikt: Dubais staatliche Fluglinie Emirates will dauerhaft 13 statt 7 Flüge nach Wien durchsetzen. Diese Landerechte wurden für den Sommerflugplan bis Ende Oktober befristet genehmigt.

Derzeit gilt ein Abkommen aus 1990, das einen Flug täglich erlaubt. Dubai möchte jedoch ein nicht in Kraft gesetztes Abkommen aus 2004 und 2005 ratifizieren, dass Emirates, AUA und Flyniki so viele Flüge zwischen Wien und Dubai wie gewollt erlaubt.

Das österreichische Verkehrsministerium will diese Liberalisierung nur zulassen, wenn "faire Wettbewerbsbedingungen sichergestellt werden", sagt Pressesprecher Walter Fleißner. Unter diese Wettbewerbsklausel falle ein Verbot von Lohn- und Preisdumping sowie Missbrauch der Marktmacht. Kontrollieren würden das die Zivilluftfahrtbehörden der beiden Länder. Dieser Wettbewerbsklausel wollen die Emirates aber nicht zustimmen, heißt es in der Branche.

Standort Wien in Gefahr?

Hinter dem Kampf um Landerechte steckt, dass die AUA um ihre Langstrecke fürchtet. Die beiden Fluglinien haben sich im Vorfeld der Verhandlungen mit Zahlen bekriegt: Die Emirates verwiesen auf eine Studie, nach der die 211.000 beförderte Passagiere 2010 auf der Strecke Dubai-Wien rund 3300 Vollzeit-Arbeitsplätze geschaffen hätten. Die AUA zitierte daraufhin eine Wifo-Studie, dass pro 1000 Passagiere ein direkter und zwei bis drei indirekte Arbeitsplätze entstehen - das wären 633 bis 844 Stellen für die Emirates-Flüge. Durch den Sommerflugplan ist der Emirates-Marktanteil auf der Strecke Wien-Dubai um 6 Prozentpunkte auf 70 Prozent gestiegen, die AUA hat von 33 auf 26 Prozent verloren. Auch auf Strecken wie nach Bangkok ziehe die Airline der AUA Marktanteile ab.

Die arabische Konkurrenz gefährdet das Langstreckengeschäft der AUA und das Drehkreuz Wien, so die Befürchtung. "Wir tanzen Linkswalzer auf einem wackligen Kaffeehaustisch", sagte AUA-Vorstand Peter Malanik kürzlich.

Die Bundesregierung habe "noch wenig unternommen", um "die Rahmenbedingungen am Standort Wien so zu verbessern, dass das Drehkreuz gehalten und ausgebaut werden kann", wie im Rahmen des Verkaufs der AUA an die Lufthansa zugesagt wurde.

Eine Blockade von weiteren Landerechten schadet dem Flughafen Wien kurzfristig. Langfristig wird aber auch befürchtet, dass die Golf-Airline Passagiere nach Dubai absaugt. Die AUA ist der Hauptkunde des Flughafens Wien und ist für 48 Prozent der Passagierzahlen verantwortlich.

In Deutschland ist Dubai mit der Forderung nach weiteren Landerechten im Mai abgeblitzt: Dafür fliegt Emirates München ab 2012 mit einem größeren Flugzeug, dem A380, an. In Wien wäre das nicht möglich - der Skylink ist im Regulärbetrieb nicht für den Doppeldecker-Airbus ausgelegt.