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Polemik um "positive Rolle" der französischen Kolonialherrschaft

Von WZ-Korrespondent Christian Giacomuzzi

Politik

Antillen-Reise von Sarkozy abgesagt. | Paris. Die Anerkennung einer angeblich "positiven Rolle" des französischen Kolonialismus durch die Pariser Nationalversammlung hat in Algerien, den Überseedepartements und in Frankreich selbst heftige Polemiken ausgelöst.


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Daher musste der französische Innenminister und Chef der Regierungspartei "Union für eine Volksbewegung" (UMP), Nicolas Sarkozy, einen für Mittwoch angesetzten Besuch auf den Antillen absagen. Bei den beiden Auftritten Sarkozys auf der Inselgruppe waren nämlich Protestkundgebungen geplant, zu denen lokale Politiker und rund zwei Dutzend Menschenrechtsorganisationen sowie das Anti-Globalisierungs-Netzwerk Attac aufgerufen hatten. Die französischen Sozialisten haben unterdessen diese "starke Mobilisierung" begrüßt, "die Nicolas Sarkozy gezwungen hatte, seine Reise abzusagen".

Villepin distanziert sich

Der betreffende Gesetzestext hatte bereits heftige Kritiken seitens des algerischen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika geerntet. Er bezeichnete das Gesetz im vergangenen Juni als "geistige Blindheit, die an die Auschwitzleugnung und den Revisionismus grenzt". Angesichts dieser heftigen Reaktionen distanzierten sich mehrere Regierungspolitiker, allen voran Premier Villepin (UMP), von dem Text zum Wert der Kolonisierung. Es sei "nicht die Rolle des Parlaments, die Geschichte zu schreiben", sagte de Villepin am Donnerstag. Regierungssprecher Jean-Francois Copé (UMP) sicherte zu, dass es keine "offizielle Version der Geschichte" gebe.