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Polens Wirtschaft kommt wieder in Schwung. Nach den schwierigen Jahren 2001 und 2002 dürfte die Talsohle wieder durchschritten sein. Für heuer rechnet die Raiffeisen Zentralbank (RZB) mit einem BIP-Wachstum von 2,5%, erklärte | Vizegeneraldirektor Herbert Stepic. Hohe Arbeitslosigkeit und nur langsam greifende Privatisierungsmaßnahmen stellen die polnische Regierung dennoch vor Probleme.
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"Wir können wieder aufatmen." Piotr Czarnecki, seit wenigen Monaten Präsident des Vorstandes der Raiffeisen Bank Polska, sieht einen Silberstreif am wirtschaftlichen Horizont. Die vergangenen zwei Jahre waren nicht nur für Banken schwierig. Das BIP-Wachstum lag in Polen bei 1% 2001 und 1,3% im Vorjahr, die Arbeitslosenrate betrug weiterhin rund 18 Prozent. Die Auslandsinvestitionen beliefen sich zwar auf 4,25 Mrd. Euro, mit lediglich 1.200 Dollar Pro-Kopf-Investitionen reiht sich Polen allerdings hinten an.
Doch die Stimmung werde nun besser, berichtet Czarnecki. Was er ebenso wie Herbert Stepic mit Zahlen belegt. Für heuer sei ein BIP-Wachstum von 2,5%, für kommendes Jahr von 3% prognostiziert. Die Abwertung des polnischen Zloty trug zu einer Ankurbelung der Exporte bei, die Zinssenkungen durch die Notenbank hätten die Inlandsnachfrage gestützt.
Doch ohne weit reichende Reformen sei der positive Trend nicht zu verstärken, meinen Verfechter der Liberalisierung. So seien Steuern zu senken und Arbeitsverhältnisse im Interesse von UnternehmerInnen zu lockern - was wiederum Widerspruch seitens der Gewerkschaften hervorruft. Wirtschaftsminister Jerzy Hausner deklariert zwar, die Senkung des Steuersatzes auf 19% für alle Unternehmen zu unterstützen. Doch auch dies könnte sich verzögern.
Wenn das Parlament im September den Staatshaushalt für das kommende Jahr beschließen soll, sind die Aussichten abermals kaum erfreulich. Auch Polen muss steigende Sozialausgaben und Verschuldung in Kauf nehmen. Das Budgetdefizit wird voraussichtlich 9,6 Mrd. Euro betragen, das sind rund 5% des BIP. Der für 2007 angepeilte Beitritt zur Euro-Zone dürfte sich ob des Verfehlens der Maastricht-Kriterien verschieben.
Auch der Prozess der Privatisierung läuft nicht so problemlos, wie es die Regierung gerne hätte. Laut RZB seien von den geplanten Erlösen in Höhe von 2,10 Mrd. Euro bisher erst 18% realisiert worden. Sorgen bereiten die geplanten Privatisierungen in der Stahlindustrie oder der Erdöl verarbeitenden Wirtschaft.
Ebenso lösen die Vorhaben zur Modernisierung des Bergbaus Unruhe aus. Die Proteste gegen die Schließung von Gruben reißen nicht ab: Vor zwei Tagen sind Bergarbeiter in Bytom in Streik getreten. Die Steinkohlegesellschaft Kompania Weglowa hatte angekündigt, vier Bergwerke schließen zu wollen. Zwar hat die Weltbank Polen einen Kredit in Höhe von 500 Mill. Dollar für Reformen im Bergbau angeboten. Doch die Bedingungen sind klar: Schließung unrentabler Gruben, Schuldenabbau und Beginn der Privatisierung.
RZB will Erträge verbessern
An Herbert Stepics positiver Einstellung zum polnischen Markt ändert dies aber wenig. "Ich glaube, dass Polen viel interessanter ist als wir es nutzen", meint er. Unter den größten Investoren befindet Österreich sich nämlich nicht. Den Auftritt der RZB sieht er aber als Erfolg an: Die Raiffeisen Bank Polska, derzeit die Nummer 11 am Markt, hätte sich in der Kundengruppe der Klein- und Mittelbetriebe besonders gut positioniert. In den Bereichen Leasing und Factoring befinde sie sich im Spitzenfeld.
Zufrieden ist die RZB mit der Eigenkapitalverzinsung von knapp 17% im ersten Halbjahr. Der Gesamtbankenmarkt sei im ersten Quartal bei minus 7,3% gelegen. Die Kosten/Ertrags-Relation solle aber verbessert werden: Im Vorjahr sei sie bei 80% gelegen, Ziel seien 60%. Ebenso geplant ist eine Kapitalerhöhung in den nächsten sechs Monaten. Heuer wurde das Kapital der Raiffeisen Bank Polska bereits um 17 Mill. auf 131 Mill. Euro aufgestockt. Zukäufe hingegen sind nicht beabsichtigt. "Wir haben uns schon seit längerem keine Bank angeschaut", sagt Stepic.
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