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Politik als Fernseh-Zugpferd

Von Bernhard Baumgartner

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Eines kann man jetzt schon sagen: Es gab wohl noch nie eine Wahl in Österreich, in deren Vorfeld man sich derart umfassend über die Akteure informieren konnte. Aber nicht nur die Information spielt eine Rolle, auch der Unterhaltungswert passt - wenn man den Zahlen glauben schenken darf. Denn obwohl es eine für normale Menschen kaum noch zu überblickende Vielfalt an politischen Diskussionssendungen gibt, generieren diese derzeit durch die Bank Quoten, die sich kein TV-Manager erträumt hat. Die Diskussion HC Strache/Irmgard Griss etwa sahen im ORF unglaubliche 697.000 Zuschauer mit einem Marktanteil von 24 Prozent - Spitzenwerte, die der ORF dringend brauchen kann. Auch die Elefantenrunde im privaten Puls4 sahen eine Rekordzahl von 560.000 Zuschauern, ein beispielloser Wert. Das Format "Politik mit einem Einschlag von Gladiatorenspielen" (wie bei der Puls4-Elefantenrunde) ergibt offensichtlich eine attraktive Kombination. Wenn man annimmt, dass die Österreicher wohl nicht alle über Nacht zu Politik-Junkies geworden sind, bleiben zwei Thesen, die eine Rolle spielen: Die Innenpolitik ist derzeit aufgrund der anstehenden Richtungsentscheidung spannender als in den Jahren zuvor. Und die Kandidaten haben offensichtlich eine höhere Attraktivität als ihre Vorgänger. Es darf angenommen werden, dass ein Duell Werner Faymann/Reinhold Mitterlehner bei weitem nicht die Quoten eingefahren hätte wie Christian Kern/Sebastian Kurz. Die Politiker dürfen sich also nun ein bisschen wie Popstars fühlen. Nicht daran gewöhnen bitte, so etwas hält nicht immer lange.