Zum Hauptinhalt springen

"Politik ist auf Desintegration ausgerichtet"

Von Valentine Auer

Politik

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 6 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Wien. Unterbringung von Asylwerbern, Bildungs- und Arbeitsberatung, Schulungen und Kinderbetreuung: In diesen Bereichen leistet das Wiener Integrationshaus bereits seit 1995 einen Beitrag und versucht so, Asylsuchende in Wien zu unterstützen. Diese Aufgabe werde aufgrund der aktuellen politische Lage allerdings zunehmend schwieriger, hieß es in einer Pressekonferenz am Freitag, anlässlich des vom Wiener Integrationshaus organisierten 24. Flüchtlingsballs. Dieser findet diesen Samstag im Wiener Rathaus statt.

"Die Politik ist auf Desintegration ausgerichtet", kritisiert Andrea Eraslan-Weninger, Geschäftsführerin des Integrationshauses. Wohnen sei hier ein typisches Beispiel: Obwohl die Unterbringung in privaten Unterkünften Erfolge in puncto Integration zeige, soll es genau diese Unterbringungsform künftig nicht mehr geben. "Die positiven Entwicklungen scheinen nun gefährdet zu sein, da die neue Bundesregierung Isolation statt Integration will. Man verhindert damit, dass Unterstützung und Hilfe seitens der Zivilgesellschaft entsteht", sagt Eraslan-Weninger. Zudem würde die Streichung von privaten Unterkünften und damit die Umstellung auf staatlich organisierte Zentren laut Integrationshaus zu Mehrkosten von bis zu 37 Millionen Euro pro Jahr führen.

Innenminister Kickl weist Vorwürfe "entschieden" zurück

Auf Nachfrage der "Wiener Zeitung" weist Innenminister Herbert Kickl diese Vorwürfe "entschieden zurück". Doch auch der Stadtrechnungshof kommt auf zusätzliche Kosten. Der Grund: Während eine Person in der Grundversorgung 365 Euro erhält, betragen die Kosten für einen Platz im Flüchtlingsheim 620 bis 670 Euro. Übers Jahr gerechnet beträgt die Differenz damit bis zu 3660 Euro pro Person. Bei rund 10.000 privat wohnenden Anspruchsberechtigten macht das bis zu 37 Millionen Euro.

Das Integrationshaus selbst fürchtet, dass ihm der Bund die Mittel kürzen könnte. "Die Finanzierungen beginnen zu wackeln", sagt Ehrenobmann, Willi Resetarits. "Wir haben noch keine Absagen, aber die Projektanträge wurden noch nicht entschieden." Mit dem Wiener Flüchtlingsball soll die Finanzierung des Integrationshauses nun gesichert werden. Gleichzeitig gehe es auch darum, Pause zu machen und zu feiern, so Resetarits: "Der Ball ist dazu da, auch in unsicheren Zeiten, in denen es wenig zu lachen gibt, aufzuatmen."