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Politik will Arbeitsmarktsituation der Migranten verbessern - aber wie?

Von Katharina Schmidt

Analysen

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Für politische Veränderungen bedarf es sinnvollerweise einer eingehenden Analyse der Ausgangslage. Dass es nun endlich wirklich detaillierte Zahlen über die Arbeitsmarktsituation von Menschen mit Migrationshintergrund gibt, ist daher durchaus als Schritt in die richtige Richtung zu werten. Vor allem im Bereich der Jugendlichen gab es hier bisher Defizite.

Einige Daten waren aber auch schon bisher bekannt. Etwa ist es nichts neues, dass sich Menschen mit Migrationshintergrund - also Zugewanderte in der ersten oder zweiten Generation ungeachtet der Staatsbürgerschaft - schwerer am Arbeitsmarkt zurecht finden als autochthone Österreicher. Die Gründe dafür liegen ebenfalls auf der Hand. So haben Menschen mit Migrationshintergrund oft eine schlechtere Ausbildung oder Schwierigkeiten wegen mangelnder Sprachkenntnisse. Ein Aspekt wird hier aber oft vergessen: Zwar haben mehr Migranten gar keinen oder nur einen Pflichtschulabschluss als autochthone, in Wien ist allerdings auch der Prozentsatz der Uni-Abschlüsse unter den Migranten höher als unter den "Einheimischen". Dass sie trotzdem drei Mal so häufig unter ihrem Qualifikationsniveau arbeiten, liegt unter anderem an den schlechten Nostrifizierungsbedingungen für ausländische Abschlüsse.

Genug der Zahlenspielereien - damit sollte aber klar sein, dass es spezieller Maßnahmen bedarf, will man Menschen mit Migrationshintergrund in den Arbeitsmarkt einbinden.

Das hat auch das Sozialministerium erkannt, in der Pressekonferenz zu dem Thema am Montag war aber beim besten Willen nicht zu erfahren, wie man hier konkret weiter verfahren will. Klar ist bisher nur, dass Ressortchef Rudolf Hundstorfer seine schon länger ventilierte Idee einer Ausbildungspflicht ab Herbst ein Stück weiter vorantreiben will: Im Rahmen des Jugendcoachings sollen Jugendliche bis zu einem Jahr lang begleitet werden, mit dem Ziel, nach Ende der Pflichtschulzeit eine berufliche Perspektive vor Augen zu haben. Hundstorfer will, dass jeder Jugendliche nach der Pflichtschulzeit zumindest eine weiterführende Ausbildung absolviert. Dies sei zum Beispiel in den Niederlanden üblich, sagt er. In den Niederlanden gilt allerdings die Schulpflicht bis zum 18. Geburtstag, in Österreich nur bis zum 15. Will man die Jugendlichen länger in Ausbildung halten, wird es also gröberer gesetzlicher Änderungen bedürfen. Sanktionen für Drop-outs, wie etwa die Streichung der Familienbeihilfe, sind laut Hundstorfer derzeit aber kein Thema.

Das wäre einerseits vielleicht ein probates Mittel, um die Jugendlichen in die Ausbildung zu zwingen, andererseits stellt sich da aber auch die Frage der Verhältnismäßigkeit. Denn die spezifischen Probleme jugendlicher Migranten auf dem Arbeitsmarkt wurden jahrelang ignoriert - die jetzt gesammelten Zahlen als Grundlage für gezielte Fördermaßnahmen zu nehmen, erscheint hier als die bessere Variante.