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Politischer Zugriff, ganz direkt

Von Bernhard Baumgartner

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Wie sehr darf sich die Politik in die Nachrichten des öffentlich-rechtlichen Fernsehens einmischen? Diese Frage ist nicht nur in Österreich ein ständiger Streitpunkt. Aus Spanien kommt hier nun ein tatsächlich origineller - und erfrischend ehrlicher - Zugang zum heiklen Thema.

Der dortige Rundfunk- und TV-Rat des staatlichen Senders RTVE hat beschlossen, dass Ratsmitglieder über ein internes Computernetz direkt auf die Dateien der Redaktion der TV-Nachrichten zugreifen können. Da könnte man dann Rohmaterial sehen, Schnitte überwachen und vielleicht sogar die eine oder an der Szene "verschwinden" lassen, die nicht genehm ist. Ratsmitglieder werden, wie auch in Österreich, politisch bestellt, sind also auch Vertreter von Parteien und Organisationen.

So ein Zugriffsrecht ist natürlich aus politischer Sicht sehr praktisch. Es spart langwierige und nervenaufreibende Interventionen in der Chefredaktion, ob jetzt eine Szene geschnitten wird oder nicht. Auch hässliche Drohungen bezüglich der anstehenden Wiederwahl muss man nicht mehr auffahren, weil man sich stattdessen auf dem Server gleich selbst bedient.

Der Fernsehrat hat das tatsächlich beschlossen, musste es jedoch aufgrund des Proteststurms einen Tag später wieder zurücknehmen. Das finden Sie ein starkes Stück? Aber bitte! Probieren wird man es ja noch dürfen, oder?