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Pompeji des Fernen Ostens

Von Alexandra Grass

Wissen
Der Vulkankomplex Rinjani auf der indonesischen Insel Lombok.
© corbis

Der Samalas auf der indonesischen Insel Lombok wird als Schuldiger genannt.


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Wien. Im Sommer des Jahres 1258 scheint es ziemlich ungemütlich gewesen zu sein. Zumindest berichten mittelalterliche Chronisten von einem heftigen Temperatursturz, der den Menschen zu schaffen machte, von einer Hungersnot in Europa, von Dauerregen und von zahlreichen Missernten. Den Schuldigen hat ein internationales Forscherteam nun auf der indonesischen Insel Lombok gefunden, wie sie in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten.

Aber nicht nur, dass der Ausbruch des Vulkans Samalas im Jahr davor für diese Klimaveränderung sorgte, so könnte noch dazu eine ganze Stadt unter seinen Aschenablagerungen verborgen sein. Möglicherweise existiert ein indonesisches Pompeji, so die Vermutung der Forscher.

Jahr ohne Sommer

Bis dato war nicht bekannt, wo diese gewaltige Eruption - vermutlich eine der heftigsten des gesamten Holozäns (die Zeit von
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- stattgefunden hatte. Als mögliche Kandidaten galten der Okataina in Neuseeland, der El Chichón in Mexiko und der Quilotoa in Ecuador. Sicher war lediglich, dass für dieses "Jahr ohne Sommer" ein Vulkanausbruch verantwortlich war. Schon vor Jahrzehnten belegten dies Bohrkernanalysen aus Grönland und der Antarktis. In den entsprechenden Schichten wurden Aschespuren gefunden.

Eine Untersuchung des Vulkans Samalas hat nun ein plausibles Bild ergeben, wie die Forscher um Franck Lavigne von der Universität Paris berichten. Im Jahr 1257 habe der Berg, der heute zum Vulkankomplex Rinjani auf der Insel Lombok zählt, mindestens 40 Kubikkilometer Gestein ausgeschleudert. Feststoff-Gas-Gemische, sogenannte pyroklastische Ströme, donnerten 25 Kilometer weit ins Land. Außerdem wurde bei dem Ausbruch Asche bis in eine Höhe von 43 Kilometern geschleudert.

Eine auf Palmblättern in alt-javanesischer Sprache geschriebene Chronik - "Bambad Lombok" - beschreibt, wie der Berg ausbrach, für Aschestürme sorgte und einen hufeisenförmigen Krater hinterließ. Demnach wurde die Umgebung verwüstet und Pamatan, die Hauptstadt des Königreichs Lombok, begraben. Ein 8,5 Kilometer breiter und 800 Meter tiefer Krater kündet noch von der explosiven Vergangenheit.

Die Forscher verglichen die dortigen Ablagerungen mit den Eisbohrkernen aus Grönland und der Antarktis. Sowohl der Schwefelgehalt als auch die Zusammensetzung des Materials deuten darauf hin, dass Samalas der Schuldige dieser Katastrophe ist.

Pamatan zu entdecken

"Der tropische Ort, die Größe der Caldera (Krater, Anm.), der Zeitpunkt der Eruption, ihre Stärke und die Übereinstimmung zwischen der geochemischen Zusammensetzung der Asche des Samalas mit vulkanischem Glas der Eisbohrkerne, die mit dem größten Sulfat-Ausstoß der letzten 7000 Jahre zusammenhänge, weisen alle auf diesen Vulkan als Quelle des großen stratosphärischen Staubschleiers Mitte des 13. Jahrhunderts hin", schreiben die Wissenschafter.

Forscher des Museum of London Archeology glauben sogar, dass alleine in London ein Drittel der Einwohner dem Ausbruch zum Opfer gefallen sein könnte.

Das auf Lombok vermutete "Pompeji des Fernen Ostens" könnte noch auf seine Entdeckung warten, wie die Wissenschafter spekulieren. Eine solche Entdeckung der Hauptstadt des damaligen Königreichs "könnte wichtige Einblicke nicht nur in die Geschichte Indonesiens bieten, sondern auch verraten, wie diese Gesellschaften mit den Gefahren des Vulkanismus umgingen", erklären Lavigne und seine Forscherkollegen.