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Popper-Gymnasium als Zukunftslaboratorium

Von Christoph Rella

Politik
Hochbegabte Schüler werden nicht unterrichtet, sondern "gecoacht". Foto: Popper-Schule

Seit 1998 lernen hier Hochbegabte. | Schulversuche mit Ethik und "Science". | Wien. Äußerlich betrachtet sind jene Schüler des Wiedner Gymnasiums im 4. Bezirk in Wien, die hier seit Jahren den "Schulversuch für Hochbegabte" - die Sir-Karl-Popper-Schule - besuchen, von anderen Kindern nicht zu unterscheiden. Weder kleiden sie sich anders, noch sitzen sie in den Pausen lesend in einer Ecke.


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"Dennoch glauben leider manche Eltern und Jugendliche, dass hier nur Egoisten, Streber und Brillenträger unterrichtet werden", erklärt Edwin Scheiber, Direktor der Sir-Karl-Popper-Schule, während eines Lokalaugenscheins am Donnerstag. "Ob ein Schüler zu den Hochbegabten gehört, merkt man höchstens erst im Rahmen eines persönlichen Gesprächs, an der Art und Weise, wie sie antworten." Genau das wird auch den 48 hochbegabten Oberstufenschülern, die auf zwei Klassen aufgeteilt auf die Matura vorbereitet werden, beigebracht - und zwar in einem eigens erfundenen Schulfach: Soziale Kompetenz und Kommunikation. Ebenfalls am Lehrplan für die Hochbegabten des Gymnasiums stehen zudem Fächer wie Latein, Ethik oder "Science" (Physik, Biologie und Chemie).

Module statt Lehrplan

"Wir sind im Wiedner Gymnasium das, was etwa eine Forschungs- und Entwicklungs-Abteilung in der Industrie ist", sagt Scheiber. Die Schule sei daher als Labor für Schulversuche und neue Unterrichts- bzw. Beurteilungsmethoden zu sehen: So experimentiert die einzige Hochbegabtenschule im Oberstufenbereich in Österreich, die 1998 gegründet wurde, mit einem Modulsystem mit freier Fächerwahl ab der 6. Klasse. Scheiber: "Die 5. Klasse soll dagegen Orientierungshilfe für die Wahl möglicher Maturafächer sein." Zu diesem Zweck aufgehoben wurden die 50-Minuten-Taktung der Unterrichtsstunden und die Vergabe von Ziffernnoten im Semesterzeugnis. Stattdessen erhalten die Hochbegabten Mitte des Semesters einen persönlichen verbalen Zwischenbericht.

Die Frage, wer als hochbegabt eingestuft und aufgenommen wird, wird mithilfe eines mehrphasigen Auswahlverfahrens, das im Frühjahr stattfindet, gelöst. "Derzeit haben wir bereits rund 80 Anmeldungen", erklärt der Direktor und verweist auf den kommenden "Tag der offenen Tür" am 26. Februar. "Jedes Kind ist eingeladen, sich zu bewerben", fügt er hinzu. Angst, für die Popper-Schule nicht klug genug zu sein, müsse aber niemand haben. Es sei denn, er oder sie hat einen IQ von weniger als 125.