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Porsche und VW: Der Haussegen hängt schon vor der Ehe schief

Von Bernd Glebe und Andreas Hoenig

Wirtschaft

VW-Betriebsrat wirft Porschechef Wendelin Wiedeking "Gutsherren-Art" vor. | Friedensgipfel wurde abgesagt. | Wolfsburg/Stuttgart.(dpa) Schon vor der Ehe scheint das Verhältnis zerrüttet. Kurz vor der Machtübernahme von Porsche bei Volkswagen gibt es ein Hauen und Stechen über die Macht im künftigen Riesenkonzern Porsche/Volkswagen (VW). Seit Monaten streiten Porsche und der VW-Betriebsrat erbittert über die künftige Mitbestimmung.


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Nun scheint Porsche-Chef Wendelin Wiedeking unter Druck zu geraten: Der mächtige VW-Patriarch Ferdinand Piech will Wiedeking angeblich absetzen lassen. Dies kann er allerdings nicht ohne die Zustimmung seines Cousins, des Porsche-Aufsichtsratschefs Wolfgang Porsche und dessen Familienclan. Dieser steht nach eigenen Worten aber unverändert fest hinter Wiedeking.

Porsche-Mehrheit an VW

Porsche besitzt derzeit rund 31 Prozent an VW und will seinen Anteil bis zum Herbst auf über 50 Prozent ausbauen. Noch vor drei Jahren wurde Wiedeking gefeiert, weil er mit seinem Einstieg den VW-Konzern vor "Heuschrecken" bewahrt hatte. Mittlerweile ist der Porsche-Boss aber für viele in Wolfsburg ein rotes Tuch.

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh warf Wiedeking wiederholt "Gutsherren-Art" vor. Mit seinem Konfrontationskurs blockiere er eine Einigung im Mitbestimmungsstreit. Bei Porsche säßen "Dilettanten" und "arrogante Neureiche", die nicht verstanden hätten, wie der wesentlich größere Laden VW funktioniere. Schon vor Monaten warnte Osterloh, Fusionen könnten auch scheitern. Die Mitbestimmungsvereinbarung der Porsche Holding geht aus seiner Sicht zulasten der VW-Belegschaft. Ein für 10. September geplanter Friedensgipfel platzte.

Auch im VW-Management sind viele irritiert. Wiedeking mische sich zu sehr ein, lautet der Vorwurf hinter vorgehaltener Hand. Schon früh hatte der Porsche-Boss klar gemacht: Bei VW dürfe es keine "heiligen Kühe" geben. In Wolfsburg wird das als Angriff auf die bei VW herrschende Konsens-Kultur - inklusive starker Mitbestimmung, Haustarifen und einer traditionell mächtigen IG Metall - betrachtet.

Das blieben nicht die einzigen Nadelstiche aus Stuttgart: Ende Mai sagte Wolfgang Porsche, bei VW gebe es viel zu tun. Die einzelnen Marken machten sich untereinander Konkurrenz. Der Wettbewerb müsse aber draußen und nicht im eigenen Konzern gesucht werden. Das ist auch die Auffassung von Wiedeking. Porsche-Miteigentümer und VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech neigt hingegen zu einer Art Wettbewerb der Marken und Modelle.

Piech soll laut "Spiegel" auch kritisieren, dass Wiedeking Modelle wie den Phaeton und Marken wie das Konzern-Sorgenkind Seat infrage gestellt habe. Ablösen könnte er Wiedeking aber nur mit Zustimmung der übrigen Mitglieder der Porsche-Piech-Familie.

Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche wies Spekulationen über eine Wiedeking-Ablösung scharf zurück. "Die Familien Porsche und Piech stehen voll und ganz hinter Wendelin Wiedeking und dem Vorstand der Porsche Automobil Holding SE", teilte Porsche mit. "Wir haben alle Beschlüsse in Sachen VW gemeinsam und einvernehmlich getragen. Daran gibt es nichts zu rütteln." Dass der Porsche-Clan noch hinter dem sturen Wiedeking steht, scheint keine müde Durchhalteparole zu sein. Der Manager sei trotz der Reibereien kein Abschuss-Kandidat, heißt es aus dem Aufsichtsrat der Porsche AG. Zu groß wäre das Risiko für die Familie, dass es mit dem Abschied von Vordenker Wiedeking einen weiteren Aderlass im Top-Management gibt.

Wie bei Pischetsrieder?

Die Macher des Sportwagenbauers setzen daher auf den Faktor Zeit: Spätestens im Oktober soll die Mehrheitsübernahme von VW unter Dach und Fach sein.

Die Gerüchte, dass Piech Wiedeking absetzen lassen möchte, sind indes nicht wirklich neu. Und es wäre nicht das erste Mal, dass der 71-Jährige einen Top-Manager über die Klinge springen lässt.

Ohne den Patriarchen läuft nämlich wenig bei VW. Das letzte Opfer des gewieften Taktikers war Ex-VW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder. Ihn drängte Piech vor zwei Jahren aus dem Amt und ersetzte ihn durch den damaligen Audi-Chef Martin Winterkorn.