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Post-Gewerkschaft ist gesprächsbereit

Von Christina Weniger

Wirtschaft

Den von Post-Vorstand Anton Wais angekündigten Personalabbau von 6.000 Beschäftigten aus allen Bereichen (außer dem Busdienst) bis 2004 hält Hans-Georg Dörfler, Vorsitzender der Gewerkschaft der Post- und Fernmeldebediensteten sowie des Zentralausschusses, für viel zu hoch. Und darüber will er intensiv mit dem Post-Vorstand reden.


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"Wer soll denn dann die Leistungen erbringen?", meinte er gestern im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Dass das Postamtnetz reorganisiert werde, sei notwendig und in Ordnung. Er verstehe auch, dass im Zuge der eingeforderten Kostenreduktionen Personal eingespart werden müsse, aber 6.000 Mitarbeiter weniger seien ein Abgang von 20%. Er, Dörfler, könne sich höchstens 10% vorstellen. Damit wäre man bei den Personalkosten auf dem Niveau der Deutschen Post, und die sei bekanntermaßen ein äußerst aktives und attraktives Unternehmen. Punkten könnte die Österreichische Post AG bei innovativen Produkten und einer Produktivitätssteigerung. Da sei Österreich in Europa Schlusslicht. Die Gewerkschaft wolle nun nach der Aufsichtsratssitzung am Montag mit dem Post-Vorstand Verhandlungen aufnehmen und in konstruktiven Gesprächen eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung finden. Sollte das nicht klappen, hätte man die Möglichkeit, eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung einzuberufen oder, in letzter Konsequenz, Einspruch gegen die Wirtschaftsführung zu erheben. Unmittelbar sei jedoch kein Streik in Sicht, beteuerte Dörfler.

Das neue Zustellkonzept - 430 Zustellbasen statt bisher 1.970 Zustellpostämter - könne nur mit einer Reform der Sortierung und dem neuen Filialkonzept erfolgreich sein, meinte Dörfler weiter. Da die BAWAG, die ja die P.S.K. übernommen habe, die Zusteller als Vertriebsschiene für Produkte wie Bausparverträge und Versicherungen einsetzen wolle, wäre die Konzentration der Zustellung bzw. eine Ausdünnung des Post-Filialnetzes kontraproduktiv. Und speziell am Land habe der Briefträger noch viel persönlichen Kontakt zu den Menschen. Der würde dann jedenfalls verlorengehen, zeigte sich Dörfler überzeugt.

63% der knapp 31.000 Postbediensteten sind Beamte. Um diese Zahl zu reduzieren, will Wais eine attraktive Umstiegsmöglichkeit in einen Angestelltenvertrag anbieten. Das anzunehmen, werde er, Dörfler, nicht empfehlen, ebensowenig den Umstieg auf Teilzeitarbeit. Letztendlich müsse das aber jeder Mitarbeiter selbst entscheiden, meinte er.

Als offene Frage bezeichnete Wais am Montagabend vor Journalisten die Frage des Universaldienstgesetzes. Darin wird der Post auch nach der Marktliberalisierung die Aufrechterhaltung einer flächendeckenden Versorgung mit Postämtern und Briefkästen vorgeschrieben. Dieser Universaldienst müsse laut EU-Richtlinie und österreichischem Postgesetz kostendeckend gehalten werden. Für die Frage der Finanzierung sehe er, Wais, aber die öffentliche Hand zuständig.